Wer Silvia und Manfred in ihrer Dietlinger Wohnung besucht, weiß eines sofort: Hier wohnen Menschen mit Kreativität, Lust am Leben und einer großen Geschichte.

Die Dekorateurin (65J.) und den Elektrikermeister (55J.) verbinden tiefe, teilweise sehr leidvolle Erfahrungen. Beinahe hätte der Schmerz sie auseinandergetrieben. Die Abwärtsspirale konnte nur Jesus stoppen und eine Wende zum Guten herbeiführen – davon sind die beiden heute zutiefst überzeugt.

Silvia, du hast viel Schweres durchgemacht und dich gerade so „berappelt“ gehabt, als du vor acht Jahren die Diagnose „Brustkrebs“ erhalten hast. Wie bist du damit umgegangen?

Silvia:

Bei einer Routinevorsorge hat mein Arzt den Knoten entdeckt und mich noch am selben Tag ins Krankenhaus geschickt. Die OP fand gleich am nächsten Tag statt. Ich hatte keine Angst und Zeit darüber nachzugrübeln, ich hatte Frieden. Ich wusste sicher, ich bin in Gottes Hand. Ich weiß noch, wie ich auf dem OP-Tisch lag und betete: „Gott, wenn du mich jetzt haben willst, dann nimm mich. Wenn nicht, dann werde ich weiterleben.“

Nach erfolgreicher OP bin ich einmal bei einem Selbsthilfetreffen gewesen und mir wurde klar, das Jammern und Klagen der anderen Frauen tut mir nicht gut. Stattdessen haben mir die Worte eines Pflegers in der Bestrahlungsklinik geholfen: „Frau Hackbarth, Sie sind eine gesunde Frau, merken Sie sich das.“

Das habe ich festgehalten. Auch wenn ich wochenlang sehr schwach war und mich alt gefühlt habe, hat mich das Vertrauen in Jesus und dass er bei mir ist, durchgetragen.

Woher kommt dieses Vertrauen?

Silvia:

Ich musste so viele Jahre ohne Jesus klar kommen. Heute bin ich 65 Jahre alt, seit über zehn Jahren darf ich diesen Glauben an Jesus haben – das ist unvorstellbar wertvoll für mich.

Ich hatte sehr viel Angst als Kind. Ich hatte einen Vater, der mich unterdrückte und mich bei den geringsten Anlässen physisch und psychisch schlug. Deshalb bin ich früh von Zuhause weggegangen. Ich heiratete und wir bekamen zwei wunderbare Kinder, Fabian und Anna-Katharina, geschenkt. Unsere Ehe, die anfänglich glücklich war, endete in einem Desaster. Ich ging gebeutelt, malträtiert und mit einem Schuldenberg daraus hervor. Manfred (mit ihm bin ich nächstes Jahr 25 Jahre verheiratet) hat mich damals oft beschützt und ist zu mir und meinen Kindern gestanden.

Als ich längst getrennt und mit Manfred zusammen war, stritten wir uns oft – der Druck, der durch die Nöte entstand, die wir mitgebracht hatten, war einfach sehr groß. Wir beide fühlten uns innerlich gejagt, voller Angst und auf der Suche.

Eine Zeit lang habe ich es mit Esoterik versucht, aber das hat mir gar nicht gut getan. Dann habe ich eine junge Frau kennengelernt, die sehr überzeugt von Gott war. Sie hat mich zu Gottesdiensten mitgenommen und 2007 zu einem Alpha-Kurs eingeladen. Von da an ist die Erkenntnis, dass es Jesus gibt und er mich liebt, langsam in mich eingedrungen. Seither wächst dieses Vertrauen in Jesus ganz langsam, aber stetig.

Manfred, du bist ganz anders als Silvia. Sie sagt, du bist introvertiert, hast keine Freunde und möchtest alles ganz genau wissen und verstehen. Sie sagt, sie versteht mit ihrer Seele – du mit deinem Verstand. Du liest viel zum Thema Natur und Wissenschaft. Gott – glaubst du tatsächlich an die Existenz Gottes?

Manfred:

Ja. Für die Royal Rangers sammle ich das ganze Jahr über Altmetall (Aktion “Schrott für Gott“), da ich als Elektriker oft auf Baustellen zu tun habe, wo Altmetall anfällt. Manchmal komme ich mit den Leuten dort ins Gespräch über Gott. Ziemlich oft muss ich mir da anhören: „Was, an den „Scheiß“ glaubst du?!“

Ich finde es schade, dass viele so reagieren, aber ein bisschen kann ich sie auch verstehen. An der Existenz Gottes habe ich zwar nie gezweifelt, aber alles Religiöse ist nie mein Ding gewesen.

Du glaubst also an Gott, hasst aber Religiosität?

Manfred:

Das kann man so nicht sagen. Erst durch die Gottesdienste in der CG, durch Lektüre und Bibellesen kann ich die Zusammenhänge des christlichen Glaubens begreifen.

Was ich nicht ausstehen kann, wenn Leute fromm tun, von ihnen aber kein spürbar menschliches und liebevolles Verhalten ausgeht. Als Junge bin ich mit meiner Oma manchmal zur Kirche gegangen, aber ich fand die Atmosphäre dort gesetzlich und bedrückend.

Zuhause gab es keinen Gott. Mein Vater hat meine Mutter mit vier kleinen Kindern im Stich gelassen. Als später mein Stiefvater einzog, kam mit ihm viel Ungerechtigkeit und Streit ins Haus. Ich bin oft stundenlang alleine spazieren gegangen, weil ich das nicht ertragen konnte.

Der Einzige, auf den ich mich immer verlassen konnte, war ich selbst. Wo ich hinkam, musste ich mir Freundschaften und das Wohlwollen der Menschen hart erarbeiten. Selbst in Vereinen war das so und ist doch nie gelungen.

Dass es Menschen gibt, die echt mit Gott zu tun haben und sich das positiv auf ihr Leben auswirkt, habe ich zum ersten Mal bei einem Alpha-Kurs beobachtet.

Was hat dich zum Alpah-Kurs gebracht?

Manfred:

Silvia hat in Grunbach diesen Kurs besucht und wollte unbedingt, dass ich auch mitkomme. Irgendwann bin ich tatsächlich mit ihr gegangen. Ich konnte sie ja nicht ewig alleine lassen in ihrem Glauben. Ich musste doch mal sehen, was da los war. Die Menschen haben mich echt überrascht dort – sie waren das totale Gegenteil der Leute, die ich aus den Vereinen kannte.

Silvia:

Für Manfred war das etwas ganz Neues, wildfremde Menschen zu treffen und zu erleben, dass man mit denen richtig gut reden kann.

Manfred:

Aber mir war immer wichtig, dass niemand Druck auf mich ausübt, sonst hätte ich sofort den Saal verlassen. Das habe ich Silvia auch gesagt, bevor ich sie zum Alpha-Kurs oder zu einem Gottesdienst begleitet habe.

An was erinnert ihr euch gerne, wenn ihr an eure Alpha-Kurse denkt?

Manfred:

Für mich waren die Vorträge informativ. Ich kann sie jedem empfehlen, der Näheres über Gott wissen möchte.

Silvia:

Beim Abschluss-Wochenende standen wir alle zusammen und die Leiter haben für uns Teilnehmer gebetet. Ich fühlte mich plötzlich hochgehoben, als würde ich fliegen. Dieser Zustand war so herrlich und schön! Ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist an diesem Tag über mich kam. Halleluja!

Wie ging es nach dem Kurs weiter und was hat er für euch verändert?

Silvia:

Ich verstand, dass Jesus mir meine Schuld vergeben hat. Ich habe ihm alles hingelegt – all das Schlimme aus meiner Vergangenheit. Die Last liegt jetzt bei ihm und ich bin frei und muss sie nicht mehr mit mir herumtragen. Jesu Liebe setzt mich auch heute immer wieder neu frei.

Ich lege meine Sorgen jeden Tag ab bei ihm. Bevor ich abends zu Bett gehe, gebe ich meinen Ärger an Jesus ab und „räume“ mit seiner Hilfe auf.

Früher gaben unsere Sorgen und Ängste oft Anlass zu Streit, inzwischen sind wir viel gelassener und das macht auch unsere Ehe glücklicher.

Warum habt ihr euch für die Christliche Gemeinschaft entschieden?

Silvia:

Früher war ich hin und wieder bei Frauentreffen in der CG in der Belchenstraße gewesen. Dann habe ich beobachtet, wie die CG in der Wildbader Straße gebaut hat und wurde neugierig. Also bin ich einfach hingegangen. Gleich beim ersten Besuch war diese Gemeinde wie eine schützende Festung für mich. Die CG hat meinen Glauben beflügelt und weitergebracht.

2013 habe ich mich taufen lassen und den Bibelvers erhalten, der in Jesaja 41 steht:

„Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir. Hab’ keine Angst, ich helfe dir. Ich bin dein Gott, mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich.“

Dass Jesus jeden Tag bei mir ist und mich beschützt, das gibt mir jeden Tag Kraft.

Manfred:

Ich bin in die CG gegangen und die Menschen sind sofort auf mich zugekommen, das war so anders, als ich das von den Vereinen gewöhnt war. Mir gefällt die Gemeinschaft. Ich hatte nie Familie und diese Gemeinde ist wie eine große Familie für mich. Dort kann ich auf jeden zu gehen und mit jedem reden. Inzwischen habe ich zu einem ganzen Kreis von Menschen eine engere Beziehung. Ich bin immer glücklich, wenn ich dorthin gehen kann. Die Gottesdienste, die Musik, die Predigten, das Kaffeetrinken danach – einfach alles dort gibt mir neue Energie und Ruhe. Jahrelang habe ich unter großen Existenzängsten gelitten. Im Urlaub konnte ich kaum abschalten, die Sorgen und Ängste aus dem Berufsalltag haben mich manchmal fast kaputt gemacht. Inzwischen habe ich diese Ängste nicht mehr. Ich rege mich nicht mehr auf und frage mich nicht mehr dauernd, was morgen kommt.

Jesus liebt dich“ – Silvia, warum hast du dieses Tattoo auf dein Dekolletee stechen lassen?

Silvia:

Mein Bruder ist 2014 an seiner Suchtkrankheit gestorben, das war viel zu früh. Wir haben alles versucht, ihm zu helfen – vergeblich. Hätte er sich nur auf Jesus einlassen können und erleben können, was ich erlebt habe, dass die Liebe Jesus alles verändert, hätte er heil werden können. Aber er wollte es nicht versuchen.

Jesus hat mein Leben gravierend verändert und er ist das Beste, das ich gefunden habe. Ich sehe auch, wie Manfred sich durch Jesu’ Liebe verändert, und genieße es!

Ich möchte am liebsten jedem Menschen sagen: Jesus ist das Beste, was dir passieren kann.

Seit vier Jahren arbeite ich im Geschäft meines Sohnes mit und schon oft gab dieses Tattoo Anlass zu ganz tollen Gesprächen über Jesus.

Beim nächsten Alpha-Kurs in der CG arbeite ich auch mit. Ich hoffe und bete, dass sich Menschen einladen lassen und sie Gottes Liebe „probieren und schmecken“ werden!

Ich bin sicher, es wird ihnen gut tun.

Das Gespräch führten Christiane und David Ratz. Vielen Dank für eure Offenheit.

Karin (56) ist eine Frau für das Feine. Als Schmuckdesignerin und Künstlerin fasziniert sie Schönheit, die im Detail liegt. Während ihrer derzeitigen Ausbildung zur beratenden Seelsorgerin wächst ihre Aufmerksamkeit gegenüber Menschen, die sie begleitet, um verschüttete Schönheit auszugraben und zum Strahlen zu bringen.

Karin ist seit 25 Jahren mit Gerd (53, Steuerberater, stellv. Vorstand und Mitglied der Leitung in der CG Ellmendingen) verheiratet. Sie haben drei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder.

 

 

Das Symbolbild der CG-Ellmendingen zeigt einen roten Quader, der die Form des Gemeindehauses wiedergibt, ausgespart die Form eines Baumes. Dieser Baumein japanischer Fächerahornwurde aus KarinVorgarten in Weiler zur CG nach Ellmendingen verpflanzt.

Karin, was fasziniert dich an Pflanzen wie z.B. diesem Baum?

 

Es sind die vielen unterschiedlichen Details, die sich Gott ausgedacht hat, die mich zum Staunen bringen. Wenn ich mit Gerd spazieren gehe, bleiben wir oft stehen und erfreuen uns an Gottes wunderbarer Schöpfung. Diese Schönheit ist für mich wie die Luft zum Atmen.

Ich freue mich sehr, dass der Fächerahorn die Umpflanzaktion überstanden hat und angewachsen ist – das war wirklich fraglich. Solche alten Bäume sind empfindlich und seine Wurzeln wurden zwangsläufig stark gekürzt und verletzt.

 

 

Stichwort  Wurzeln – wo kommst du her und wer bzw. was hat dich sehr geprägt?

 

Ich bin mit meiner älteren Schwester in Weiler aufgewachsen. Den christlichen Glauben kannte ich hauptsächlich durch meine Oma, die oft mit uns betete. Mein Opa war im AB-Verein („Evangelischer Verein für innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses“). Er las viel in der Bibel. Meine Mutter hat auch an Gott geglaubt und gebetet, aber wenig darüber gesprochen, da mein Vater mit „christlich“ ein Problem hatte.

Als ich 13 Jahre alt war, wurde meine Mutter (mit 38) am Herzen operiert und starb kurz nach der OP. Das war besonders schwierig, weil ich gerade zu der Zeit meine Mutter gebraucht hätte, um meine Fragen mit ihr zu besprechen.

Mein Vater nahm mich vom Gymnasium und besorgte mir eine Lehrstelle. Er beschloss: „Du bist geschickt mit den Händen und wirst Goldschmiedin“.

 

 

Auch Gerds Mutter ist viel zu jung gestorben. Wie hast du ihn kennengelernt?

 

Gerd wohnte eine Straße weiter, als Kinder kannten wir uns vom Sehen. Nachdem ich zurück nach Weiler gezogen war, bekam ich über meine Tochter Kontakt mit Gerds Familie. Dann habe ich ihn in meinem Hauskreis wiedergesehen.

 

 

Deine Mutter ist ja sehr früh verstorben – was half dir damals?

 

Für meinen Vater war es sehr schwer, auf einmal alleine für zwei heranwachsende Mädchen zu sorgen. Ich habe mich sehr verlassen und alleine gefühlt.

Gott mein Herz ausschütten, war das Einzige, was mir geholfen hat.

 

 

Wie sah damals dein Alltag aus?

 

Ich bekam ein Angebot, als Schmuckdesignerin zu arbeiten, das ich gerne annahm. Als meine Tochter geboren wurde, versprach mir mein Chef, diesen Platz ein Jahr für mich freizuhalten – ich habe mich aber für mein Kind entschieden, wollte für es da sein und bin drei Jahre in „Mutter-Zeit“ gegangen. In dieser Zeit bekam meine Tochter eine lebensbedrohliche Krankheit und wir waren mehr als acht Wochen im Krankenhaus – das Einzige, was mir damals Halt  gab und mir gut tat, war das Beten. All meine Not sprach ich vor Gott aus.

Damals wusste ich nicht, dass man zu Gott eine persönliche Beziehung haben kann. Deshalb war mir nicht bewusst, dass ich mich, nachdem diese schwere Zeit vorbei war, auch hätte bedanken können.

Nach meiner „Mutter-Zeit“ fand ich sehr schnell wieder Arbeit als Schmuckdesignerin und Modellmacherin. Das war wirklich ein Geschenk. Ich habe am Vormittag gearbeitet und mein Kind besuchte einen Hort. In dieser Zeit nahm ich gerne die Einladung einer Freundin an, die mich zu Aglow, einem christlichen Frauentreff in Pforzheim mitnahm. Diese Abende taten mir gut. Je mehr ich die Leute kennenlernte, desto mehr wurde mir bewusst, dass sie etwas hatten, das ich auch wollte, JESUS. Bald wurden mir die monatlichen Treffen zu wenig und ich sehnte mich nach mehr Gemeinschaft.

 

 

Du hast also sehr viel gekämpft, um das Gute in dein Leben hereinzuholen?

 

Ja, deshalb bin ich, mit vielen Vorbehalten, irgendwann in einen Hauskreis gegangen. Bevor ich die Gruppe kennenlernte, dachte ich: Du passt dort eh nicht hin. Aber ein Hauskreismitglied hat mich eines Besseren belehrt, so wie er dort auf dem Boden lümmelte und betete: „Danke Herr, dass du mich siehst und hörst, auch wenn ich Mist mache. Und dass du mich trotzdem lieb hast…“

Ich hatte die Vorstellung gehabt, die sind dort so heilig, da passe ich nicht dazu, aber das waren Menschen, genauso fehlbar wie ich und dennoch angenommen. Diese Gemeinschaft und die Gespräche im Hauskreis taten mir sehr gut und ich fühlte mich sehr wohl.

 

 

Haben Gott und der Glaube etwas an dir und deinem Sein“ verändert?

 

Ich hatte einige Aussagen/Festlegungen über mich in mir als Wahrheit abgespeichert. Aber das waren keine Wahrheiten, sondern Lügen, die ich glaubte. Das war mir so nicht bewusst. Als ich das erkannte und Stück für Stück diese „Wahrheiten“ angeschaut und als falsch entlarvt habe, hat meine Seele begonnen, heil zu werden.

Es ist bekannt, wie prägend Eltern und Herkunftsfamilie sind. Wir können ein Leben lang sagen, mein Vater, meine Mutter oder sonst jemand ist schuld. Ich durfte lernen zu vergeben, statt Schuld zuzusprechen. Dazu habe ich seelsorgerliche Gespräche in Anspruch genommen. Sie halfen mir unter anderem, das Handeln meines Vaters besser zu verstehen. Ich sah dabei auch seine Not und konnte ihm mit Jesu Hilfe vergeben. Das war sehr befreiend.

D.h., das Schöne ist, man muss nicht so bleiben, wie man ist, man kann versöhnt werden und schließlich befreit leben.

 

 

Gibt es eine Lüge, die dir immer noch zu Schaffen macht?

 

Ich hatte geglaubt, nichts wert zu sein, wenn ich nichts tue und mich ausruhe. Das „Nichtstun“ war für mich gleichgesetzt mit „Faulheit“. Bis heute neige ich dazu, mich zu überfordern. Es war für mich befreiend zu erkennen, dass ich dennoch wert bin, auch wenn ich mich ausruhe oder ein Buch lese.

Keinen Wert zu haben ist eine Lüge! Denn schließlich ist man nicht erst etwas Wert, wenn man etwas tut bzw. leistet. Jeder Mensch ist gleich – wert, egal ob er am Straßenrand sitzt mit dem Becher in der Hand oder ob er Chef über viele Angestellte ist, ob arm oder milliardenschwer.

 

 

Was war der Auslöser, dass dir Seelsorge so wichtig wurde?

 

Vor ungefähr zehn Jahren hatte ich „heiße Knoten“ in der Schilddrüse. Eine Überversorgung mit Jod brachte mich völlig durcheinander. Bis man herausfand, was mit mir los war, vergingen etliche Monate. Als es mir wieder gut ging, war ich psychisch sehr angegriffen. Ich begann Seminare von ICL (Christliche Lebensberatung) zu besuchen und habe dann beschlossen, eine Ausbildung in der Individualpsychologischen Seelsorge zu beginnen.

Heute begleite ich Menschen, damit diese sich selbst besser verstehen und Veränderung in ihrem Leben konkret wird.

Meist knabbert und leidet man immer an denselben Fragen und Verletzungen und dreht sich deshalb immer im Kreis. Durch gezieltes Fragen und die Antworten des Ratsuchenden, versteht dieser besser, wo die Ursachen liegen. Man erarbeitet Korrekturen, die ihm helfen, im Leben weiter zu kommen. Das war für mich so wertvoll, dass ich andere gerne unterstützen möchte, neue Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Ich kann jedem eine Seelsorge, in der er die Möglichkeit hat, sich zu reflektieren und sich selbst besser kennen zu lernen, nur empfehlen. Dabei geht es nie um Beratung, der „Ratsuchende“ erkennt sich selbst und sieht selbst seine Antworten und Möglichkeiten.

 

 

Hast du auch schon von Gott direkt Seelsorge erfahren?

 

Gott hat an vielen Stellen zu mir gesprochen und tut es immer wieder. Zum Beispiel im Lobpreis. Wir haben vor einiger Zeit das Lied „Allein deine Gnade genügt“ gesungen. Ich war in der Zeit sehr kritisch mit mir unterwegs. Dann kamen die Worte „du musst dich nicht länger um Liebe bemühen…“. Und plötzlich wurde mir wieder bewusst, was Gott von mir möchte. „Leg alles ab in meine Hand und ruh im Vertrauen zu mir!“ Gott schenkt mir seine Liebe, einfach so.

 

Gott spricht mich auf viele Arten an und immer wieder anders: Über Bibelstellen, im Lobpreis, in der Natur, beim Autofahren… wo auch immer Er möchte. Er ist mein Abba, der mich sieht, mich liebt, der meine Nöte kennt.

In unserer 25jährigen Ehe haben wir erfahren, dass unser Gott uns die Liebe schenkt, zueinander oder zu anderen. Immer wieder neu. Das hat mir eine Freundin, die Er mir schon vor vielen Jahren geschickt hat, damals schon gesagt.

Ich bin überzeugt, wenn Ehen kriseln und wir in dieser Situation die Entscheidung treffen, ein „Ja“ zu unserer Ehe zu haben und daran zu arbeiten, tut Gott das Seine dazu.

 

 

Das Gespräch führte Christiane Ratz – vielen Dank, Karin, für Deine Offenheit!

 

Jonathan (29J.) ist Qualitätsleiter (studierter Betriebswirt) und Beatrice (27 J.) ist Altenpflegerin und arbeitet als  Wohnbereichsleitung in einem Alten- und Pflegeheim. Sie ist momentan in der Elternzeit mit Emma (6 Monate) und Katze Samantha wohnt auch bei ihnen hier in Ellmendingen. Sie machen gerne Musik (Schlagzeug, Bass, Gesang), lesen gerne (Bea) und mögen Filme/Serien schauen. In der Gemeinde arbeiten sie im Lobpreis, in der Stielbar und im Café W18 engagiert mit.
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Anja und Norman Bellert wohnen seit 2003 in Nöttingen. Anja ist Krankenschwester und Norman arbeitet als Prüfungsbeamter beim Rechnungshof. Seit 2012 besuchen sie mit ihren beiden Söhnen Luca und Jannik die Christliche Gemeinschaft in Ellmendingen.
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Carola ist 27 Jahre alt und seit knapp einem Jahr mit Christopher verheiratet. Sie liebt Musikmachen, Zahlen und teilt ihr Know-How gerne mit anderen. Ellmendingen ist ihre Heimat, aus der sie nie fortgezogen ist. Mit ihren Eltern kam sie in die Christliche Gemeinschaft, einen Ort, an dem sie einen Großteil ihrer Freizeit verbringt.
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Jonathan und Khristine Ross haben ab September die Leitung der Kinderarbeit übernommen. An die sechzig Kinder zwischen 3 und 13 Jahren kommen jeden Sonntag zum Kindergottesdienst „Schatzinsel“ mit Musik, Theater und altersspezifischen Kleingruppen. Die neuen Leiter können aus einem Pool von 30 Mitarbeitern schöpfen und freuen sich, dass ihnen auch das bisherige Leitungsteam mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.
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Simon & Sarah Tews werden im Sommer mit ihren Töchtern Emilia und Milena nach Ellmendingen ziehen und Simon wird zu 75% Pastor bei der CG werden. Sarah ist in Bernhausen bei Filderstadt aufgewachsen und hat nach dem Abi ein Jahr in Angola gearbeitet. Danach hat sie Lehramt studiert und im April 2011 Simon geheiratet. Simon ist in Berlin aufgewachsen und hat das Fachabitur für Sozialwesen gemacht. Anschließend war er Zivi in der Lukas-Gemeinde in Berlin, bevor er ein BA-Studium in Friedensau (Sachsen-Anhalt) und ein MA-Studium in Elstal (Brandenburg) absolviert hat. Weiterlesen

Familien-Ermutigungs-Wochenende
6.-8. Februar 2015
Wie können wir in der Familie und als Familie geistliches Leben gestalten?
Diese Frage hatte mich neugierig gemacht.
Als Eltern von vier Kindern zwischen 2 und 7 zehren wir momentan noch stark von den geistlichen Fettpolstern, die wir uns in unserer aktiven SMD-Zeit (Studentenmission Deutschland) zugelegt haben. Deshalb beschlossen wir nach anfänglichem Zögern (sind unsere Kinder nicht noch zu klein? Bekommen wir überhaupt etwas mit?), uns zum Familienwochenende anzumelden.
Eingeladen hatte das Team um Gabriela und Michael Kienapfel vom Josua-Dienst, unterstützt von einigen Gemeindefamilien, die ein solches Wochenende bereits mitgemacht hatten.
Den Auftakt am Freitag bildete ein Seminarabend für die Eltern, der in die grundsätzliche Thematik einführte. Familie, so Michael Kienapfel, steht heute wie kaum eine andere Institution im Sperrfeuer von Politik, Medien und Gesellschaft, und doch wünschen sich Jugendliche vor allem eine intakte Familie. Warum ist das so? Weil Gott in und durch die Familie etwas davon zum Ausdruck bringen will, wie er sich die Beziehung zu uns wünscht. Familie ist wie eine kleine Gemeinde, und Gemeinde ist wie eine große Familie. Deshalb lassen sich die vier Kernelemente des Gemeindelebens, wie wir sie z.B. in Apg. 2,42 aufgezählt finden (Unterweisung in Gottes Wort, Gemeinschaft, geistlicher Lebensstil (Abendmahl), Gebet), ohne weiteres auf das Familienleben übertragen.
Der Samstag begann bewusst familienfreundlich um 10.30 Uhr, damit die Familien noch gemütlich zu Hause frühstücken konnten (Gemeinschaft!). Als der Gemeindesaal sich langsam füllte, war es für mich ein Aha-Erlebnis, die Familien mal komplett mit allen Kindern beieinander sitzen zu sehen. Es gehört zum Konzept, dass die Familien den Tag gemeinsam verbringen, und nicht etwa die Kinder nach Altersgruppen getrennt ein eigenes Programm durchlaufen. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Bewusstsein: „Wir sind eine Einheit und können gemeinsam etwas auf die Beine stellen“.
Nach ein paar „Eisbrecher-Spielen“ zu Beginn und einer fetzigen Lobpreiszeit ging es zum ersten Themenschwerpunkt über: „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“ Zur Veranschaulichung waren einige Väter gefragt, die ein kleines Rollenspiel aufführen sollten. Der Clou: die Kinder konnten ihre Väter melden, was sie mit wachsender Begeisterung und unter großem Gelächter taten.
Der zweite Themenblock des Vormittags, das Gebet, endete vor der Mittagspause mit einer Gebetszeit innerhalb der Familien, nachdem wir uns vorher mit einem Schokoriegel gestärkt hatten. Auch das mit pädagogischem Hintergrund: Kombiniert die Gebetszeit mit einem leckeren Essen, dann wird es nicht so trocken („ice-cream & prayer“). Das hat unseren Kindern voll eingeleuchtet.
Die zweistündige Mittagspause (inkl. Essen) nutzten wir, um unseren Jüngsten schlafen zu legen, während unsere Großen gerne das Spieleangebot wahrnahmen. Die Erwachsenen stärkten sich mit einem Kaffee. Dies war eine gute Gelegenheit, um sich auszutauschen und andere Familien kennenzulernen.
Der Nachmittag begann mit einer kurzen Einführung in die Themen „Vergebung“ und „Licht sein als Familie“ und ging dann in einen Kreativblock über. Hier konnte sich jede Familie eine Familienkerze gestalten. Da wurde gezeichnet, geritzt und geschnitten, und am Ende entstanden ganz unterschiedliche Kerzen mit viel Liebe zum Detail und Symbolwert. Wer noch keinen Platz an den Basteltischen hatte, konnte die Wartezeit mit Kaffee und Kuchen überbrücken.
Zum Abschluss des Tages kamen wir alle wieder im Großen Saal zusammen. In einem symbolischen Akt der Bunderneuerung mit Gott waren wir aufgefordert, als Familie nach vorne zu kommen, unsere Kerze anzuzünden und im Gebet zu bekräftigen, dass wir Gott als Familie dienen wollen. Dies war ein bewegender Moment und ein stimmiger Abschluss eines ausgefüllten Tages mit vielen Impulsen zum Nach- und Weiterdenken.
Zum Familiengottesdienst am Sonntagvormittag, den Kienapfels und ihr Team gestalteten, war die ganze Gemeinde eingeladen. Mit eindrucksvollen Illustrationen zum Thema „Segen und Segnen“ gelang es ihnen, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Und als Michael Kienapfel ein Schwert zückte und damit ein Herz durchbohrte und Handfesseln zerschnitt, um zu zeigen, welche Kraft Worte im Guten wie im Bösen haben, ging ein Raunen durch den Raum.
Was nehmen wir von diesem Familienermutigungswochenende mit? Viele gute Impulse, ein neu gestärktes Bewusstsein dafür, was für ein kostbares Geschenk Gott uns mit unserer Familie macht, aber auch, welche Verantwortung wir als Familie und als Eltern haben. Wir werden im Gespräch bleiben. Mit Gott, mit anderen Familien, und vor allem mit unseren Kindern. Wir wollen segnen und zum Segen sein – mit Gottes Hilfe.

PS: Unsere Kleinen haben gut durchgehalten, auch wenn das Programm eher auf ältere Kinder zugeschnitten war, und wir haben so einiges mitbekommen.

Du bist mit 67 Jahren das älteste regelmäßig schreibende Teammitglied des Gemeindeinfoblattes und der Schreiberling von „Nachgedacht“. Was sind deine anderen Eckdaten?

Seit 44 Jahren bin ich mit Beate verheiratet und Vater von vier Kindern. Zwischenzeitlich auch zehnfacher Opa. Seit 1964 bin ich Glied bzw. Mitglied der Christlichen Gemeinschaft Ellmendingen. 2013 endete meine ca. 25-jährige Mitgliedschaft in der Gemeindeleitung. Beruflich bin ich selbständig und als Zulieferer für die Metall- und Elektroindustrie tätig.

Wie kamst du dazu, die Kolumne zu schreiben?

Das passierte eher „zufällig“. Ich wurde zunächst als Fotograph angefragt. Zugegeben, es gelingt mir schon, immer mal wieder ein gutes Foto zu machen – ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, aber ich konnte mich nicht als Fotograph für’s Blatt sehen. Da gibt es andere, die machen das besser. So habe ich mich gefragt: Siegfried, was ist denn deine Begabung, mit der du das Gemeindeinfoblatt bereichern könntest? Ich führte quasie ein Zwiegespräch mit meinem Gott. In meine Gedanken kam ein Begriff, mit dem ich mich nie zuvor, schon gar nicht in Bezug auf meine Person, auseinander gesetzt hatte: „Kolumne“!

War diese Rubrik schon geplant?

Nein, aber dieser gedankliche Impuls war für mich so einzigartig, dass ich darin einen wirklichen Auftrag empfand. Als dann die Antwort kam, ja, wir versuchen es, war das zunächst doch eine große Herausforderung für mich. Ich hatte ja nie gelernt, wie man eine Kolumne schreibt und musste deshalb zuerst mal Grundsätzliches lernen. Eine immer wiederkehrende Herausforderung ist es, auf maximal 1600 Zeichen eine runde und für den Leser gewinnbringende Sache zu schreiben.

Noch bist du Klein-Unternehmer mit wenig freier Zeit. Was motiviert dich, immer wieder zum Schreiben?

Diese Aufgabe bereitet mir einfach große Freude. Besonders auch ein Thema zu suchen, das nicht nur mir auf dem Herzen liegt, sondern von dem ich denke, dass es einen größeren Leserkreis interessieren könnte.

Dabei versuche ich mich darauf zu konzentrieren, herauszufinden, was dem Herrn der Gemeinde, Jesus Christus, wichtig ist.

Aber der Text ist doch dein „Produkt“?!

Klar, aber es ist mir wichtig, gute Impulse von Gott zu bekommen, um einen Denkanstoß zu geben, sich mit wichtigen Dingen des Lebens auseinander zu setzen. Dem Leser zu helfen, seine bestehende Position vor Gott zu erkennen und sie gegebenenfalls zu korrigieren. Dabei kann ich ein Thema weder umfassend noch vollständig abarbeitet.

Als Kolumnist muss und will ich (dagegen) bewusst und dosiert mit Worten umgehen. Denn, „wir müssen einmal Rechenschaft geben über jedes unnütze Wort.“

Warum sind dir persönlich christliche Themen wichtig?

Ich verdanke meinem Schöpfer nicht weniger als alles. Diese Erfahrung kann und darf jeder Mensch machen. Ein Leben ohne ihn und ohne Gebet kann ich mir nicht vorstellen.

Dabei kann ich sagen, unser Gemeindemotto „Freundlichkeit Gottes (er)leben“ erfahre ich sehr oft in der Tat, ob das nun beim Schreiben von „Nachgedacht“ ist, im täglichen Zusammenleben mit meiner Frau oder beim Arbeiten in meiner Werkstatt.

Ein schwerer Radunfall kostete Nelly Kraßnitzer im Frühjahr 2014 beinahe das Leben oder zumindest das bisher geführte Leben. Jetzt, ein halbes Jahr später, ist sie äußerlich weitgehend wiederhergestellt – für ihre Ärzte ist das ein Wunder! Trotzdem spürt sie und auch ihr Mann Hans-Peter, dass sie beide immer noch traumatisiert sind.

Doch gemeinsam will das unterschiedliche Paar es schaffen: Nelly, 53, in Sibirien geboren, Flugzeugingenieurin und Tanzlehrerin, und Hans-Peter, 48, Österreicher, in Gräfenhausen aufgewachsen, Landschaftsgärtner, Grundschullehrer, Straßenmusiker und ehemaliger Hippie, sind seit sieben Jahren verheiratet. Zu ihnen gehören zwei Töchter, zwei Söhne, zwei Enkelsöhne und ein Hundebaby. Weiterlesen