Leiden ist ein unbequemes Thema, das man am liebsten verdrängen möchte. Aber die Erfahrung lehrt, dass Leiden zum Leben gehört – auch bei uns und nicht nur in fernen Ländern, in denen Hungersnot oder Krieg herrscht .

1. Gott im Leid begegnen. (Martin Lutzweiler – 28.04.2019)

Psalm 34 ist die Grundlage dieser Botschaft.

Jesus Christus ist der große Leidensmann. Leid soll nicht verherrlicht werden, aber es gehört zum Evangelium, dass Jesus für uns gelitten hat. Und das Leid wird ein Ende haben.

In Psalm 34 ist nicht nur von Leid die Rede und wie Leid geduldig ertragen wird, sondern auch von Dankbarkeit, Freude, Wohlergehen und Gelingen im Leben. Der Psalm spricht das gebrochene Herz an. Und es wird gesagt, der Herr wird aus dem Leid wieder befreien.

Alles, was das Leben ausmacht – gute und schlechte Tage, soll eingebunden sein in die Gegenwart Gottes als Fundament und Sicherheit. Die Elenden sollen es hören und sich freuen. Durch Not und Leid sollen wir näher zu Gott kommen, ernsthafter nach Gott fragen. Wenn Gott in unseren Freuden zu uns flüstert und wir das überhören: Im Leiden schreit Gott zu uns, das werden wir nicht überhören.

Zusage: Wenn du durchs Wasser gehst, wenn du durchs Feuer gehst, ich bin bei dir. Doch wie können wir damit in der Praxis umgehen? Gott war auch im Feuerofen bei Daniel und seinen Freunden dabei. Wie sind deine Lebenserfahrungen mit Gott im Leid?

Leid ist allgegenwärtig, im persönlichen Leben oder in den täglichen Schlagzeilen zum Weltgeschehen. Bei so vielen Nachrichten über Leid in der Welt neigt man dazu, abzustumpfen; es wird zu viel und nicht mehr wahrgenommen oder verdrängt und vergessen; zum Glück ist das weit weg und betrifft mich nicht. Doch wenn Leid mich selber trifft …

Egal, wie gut wir planen und vorsorgen, irgendwann kommt Leid auch in unser Leben hinein: Krankheit, Tod eines Angehörigen, Ehekrise, finanzielle Probleme … Manch einer von uns hat tiefgreifende Probleme; dem ist das nicht nur eine theoretische Frage, wie man aus dieser Situation wieder herauskommt.

Falsches Verhalten kann Leid hervorrufen. Schon eine kleine Unachtsamkeit im Straßenverkehr kann großes Leid zur Folge haben. Scham und Schuldgefühle bestimmen das Leben des Verursachers. Leid entsteht auch dadurch, dass andere Menschen einen ungerecht behandeln, bestehlen u.s.w. – Wie reagiert man darauf? Mit Wut, Bitterkeit, Hass? Leid gibt es auch als Verlusterfahrung: Krankheit, Tod, Kündigung. Beim Tod eines Angehörigen oder Freundes kann man nicht einmal jemand dafür verantwortlich machen.

Jeder wird anders mit dem Leid umgehen. Aber jeder hat das Bedürfnis, das Leid zu verstehen, den Sinn dahinter zu erkennen, Lösungen zu finden. Doch was sagt die Bibel, wie man sich mit dem Leid auseinandersetzen soll?

Der christliche Glaube gibt Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit dem Leid. Dazu gehört das Gottesbild der Bibel; Gott leidet mit den Menschen, er nimmt ganz konkret Anteil am Leben und Leiden der Menschen. Das macht die Liebe Gottes aus. Philosophien und Religionen kennen dagegen nur abstrakte Erklärungen; sie kennen auch keinen liebenden Gott, der an einer persönlichen Beziehung zu jedem einzelnen Menschen interessiert ist. Wir sollen uns auf die Erlösung in Jesus Christus freuen; Leid soll nicht als Strafe oder als ein Abtragen der Sündenschuld angesehen werden. Die Auferstehungshoffnung geht über alles hinaus, was uns an irdischem Leid widerfährt.

Leid dürfen wir wie einen Schmelzofen oder ein Schmiedefeuer ansehen. Feuer kann hilfreich sein, weil es wärmt, aber es ist nicht angenehm, durchs Feuer zu gehen. Leid tut weh, aber es kann uns reinigen und formen wie ein Schmelzofen das Metall reinigt oder das Schmiedefeuer hilft, dem Metallstück die richtige Form zu geben. Dieses Bild vermittelt uns der Apostel Petrus (1. Petrus 1, 6 + 7). So soll Leid uns nicht zerstören, sondern stärken.

2. Vom Umgang mit Leid (Simon Tews – 05.05.2019)

  • Manche Ratschläge empfindet man als Betroffener wie Schläge, auch wenn sie einen wahren Kern enthalten.
  • Wer einen Sinn in seinem Leiden sieht, kann Leid besser ertragen.
  • Leiden steht dem Streben nach dem maximalen Glück entgegen.
  • Das Leben ist hart und nicht fair.
  • Wer nach Höherem strebt anstatt nach Selbstverwirklichung, sieht das Leid eher als normalen Bestandteil des Lebens an.
  • Die Regel ist, dass Leid zum Leben dazugehört.
  • Alles ist am Ende endlich.

Was sagt die Bibel dazu?

Johannes 11, 3ff: Lazarus ist totkrank. Doch Jesus bleibt trotz dieser Nachricht noch zwei Tage am Ölberg, der nur 2,5 km von Bethanien entfernt liegt. So muss Jesus hören: „Du kommst zu spät. Wärst du dagewesen, wäre Lazarus nicht gestorben.“ Aber später lesen wir: Jesus kann den Tod überwinden. Es ist für Jesus nicht zu spät.

Wir lesen, dass Jesus Zorn und Schmerz spürt. Er weint mit den Weinenden. Aber warum weint Jesus, da er doch die Zukunft kennt? Weil er mit den Menschen in der Gegenwart, im Hier und Jetzt lebt. Er kommt nicht mit Ratschlägen, sondern teilt die Gefühle der Angehörigen. Jesus mutet Lazarus das Leiden des Sterbens zu.

Hiob 1, 21: Nackt bin ich in die Welt gekommen, nackt werde ich wieder von der Welt gehen. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Gelobt sei der Name des Herrn.

Gott will sich auch dadurch verherrlichen: Lazarus musste sterben, damit Jesus sich durch die Auferweckung des Lazarus verherrlichen konnte.

Mein Herz muss lernen: Gott gibt mir keine Garantie dafür, dass mein Leben glatt verläuft. Aber Gott garantiert mir schon in dieser irdischen Welt ewiges Leben in Herrlichkeit im Himmel bei Gott.

Wegweiser für den Umgang mit dem Leid:

  1. Gefühle und Schmerz zulassen (Jesus am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“)
  2. Gott litt selber (Angehörige wie Johannes, der Täufer, wurden ermordet; Jesus wurde verspottet und gefoltert; Jesus erfuhr oft Ablehnung; Gottes Leiden dient auch als Zeugnis.)
  3. Leid lehrt Beten.
  4. Leid lehrt umzudenken, sich der Herausforderung zu stellen (mit dem Herrn Zwiesprache zu halten, um die Situation aus seiner Perspektive zu sehen; die Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit setzen)
  5. Was ist deine Mitte? (Hängt mein Herz zu sehr am Besitz, am Geld …? Steht Jesus wirklich im Mittelpunkt meines Lebens?)
  6. Meide die Isolation
  7. Alles ist endlich und vergänglich.
  8. Leid lehrt vergeben. (Bist du bereit zu vergeben, wie Gott dir vergeben hat?)
  9. Das Eigentliche kommt noch. (Der Himmel ist nicht auf Erden. Leid ist wie das irdische Leben nur ein Zwischenzustand. Im Nachhinein verstehen wir den Sinn des Leides – so wie Jesu Tod am Kreuz nur vermeintlich seine Niederlage war.)

Warum es besser war, dass Jesus nicht „rechtzeitig“ bei Lazarus war: Jesus lehrt durch das Leid des Sterbens seine Jünger zu glauben (Johannes 11, 15).

3. Warum lässt Gott das Leid zu? (Klaus Pache – 12.05.2019)

Der Predigttext steht in Prediger 8, 10 – 17. Der Vers 16 ist der Schlüsselvers. Salomo sagt mehrmals: „Das ist sinnlos.“ Atheisten sagen: „Es gibt keinen Gott. Der Himmel ist leer.“ Damit ist alles sinnlos, nur ein Zufallsprodukt der Evolution. Die alten Römer wussten schon: „Der Mensch ist des Menschen Wolf.“ Also ist der Mensch sich selbst sein ärgster Feind. Dass das so ist, sehen wir jeden Tag in der Tagesschau.

Aber auch im Trümmerfeld dieser Erde ist die ursprüngliche Absicht des Schöpfers zu erkennen (Römer 1, 20). Auch eine gefallene Schöpfung zeugt von Gott. So kann niemand seine Existenz leugnen. Aber der Mensch kann nicht alles verstehen (Psalm 8, 17). So stellt er auch die Frage: „Warum lässt Gott das Leid zu?“ Wenn Gott wirklich Gott ist, dann ist er souverän und nicht anklagbar. Aber wir dürfen um eine Erklärung bitten.

Wer ist denn der Übeltäter und Verbrecher in dieser Welt? Nicht Gott, sondern der Mensch selbst. Wenn alles gut geht, interessiert uns Gott nicht, aber wenn es uns schlecht geht, klagen wir Gott an und machen ihn für das Leid verantwortlich. Es muss also heißen: Warum lässt der Mensch das Leid zu? Denn der Mensch ist der Hauptverursacher von Leid aller Art. „Die Ursache allen Übels auf der Erde ist der Abfall der Menschen von Gott“ (Karl Carstens). Die Gesellschaft zerbricht an ihrem Geiz. „Geiz ist geil.“ Der Mensch erntet, was er sät.

Das Gute verkehrt sich in sein Gegenteil: Das Dynamit von Alfred Nobel sollte im Bergbau helfen, doch der Mensch baut daraus Bomben. Otto Hahns Entdeckung der Atomkraft sollte der Gewinnung von Energie dienen, doch der Mensch baut daraus Bomben. Schon Albert Einstein warnte vor Erfindungen in der Hand von Gottlosen.

Das Problem des Menschen: Liebe ist freiwillig. Liebe ist nicht programmierbar. Hätte Gott dem Menschen nicht die Möglichkeit gegeben, „Nein“ zu sagen, hätte er den Menschen gar nicht erschaffen, sondern die Schöpfung mit der Erschaffung der Tiere abgeschlossen. Liebe kann nicht erzwungen werden.

Der Einwand: Gott kennt Leid gar nicht aus eigenem Erleben. Doch das stimmt nicht. Gott hat gelitten und ist unschuldig für unsere Sünden getötet worden. Davor wurde er abgelehnt, verspottet, gedemütigt und gefoltert (Jesaja 53, 4 + 5).

Darum lässt Gott Leid zu: Man erlebt Gottes Gegenwart intensiver als sonst. Ich bin mit meinem Leiden nicht alleine. Auf mich wartet eine Zukunft im Himmel. Leiden ist eine Gelegenheit, die Beziehung zu Gott zu stärken, mehr vertrauen zu lernen und Gottes Frieden ins Herz zu bekommen.

4. Andere Menschen im Leid begleiten (Simon Tews – 26.05.2019)

Prediger 7, 2 – 4: Geh hin, wo man trauert, anstatt nach dem Vergnügen zu suchen.

Hiob 2, 11 – 13: Hiobs Freunde kommen und schweigen erst mal tagelang. Sie spüren Hiobs Schmerz, trauern mit und vermeiden oberflächliche Worte.

Sprüche 14,10 : Deine innersten Gefühle kannst du mit niemandem teilen. In tiefstem Leid und in höchster Freude bist du alleine.

Auch in Jesu höchsten Leiden am Kreuz kamen keine Worte des Trostes vom Vater im Himmel. Jesus fühlte sich von Gott verlassen. So geht es auch uns in den Stunden tiefsten Leids.

Hiob wäre am liebsten nie geboren worden. Er wollte aufgeben und sterben, um den Leib des Schmerzes zu verlassen. Außerdem fühlte er sich von seinen Freunden enttäuscht; deren Aussagen und Fragen waren für ihn keine Hilfe. Fazit: Es ist nicht unbedingt hilfreich, den Freund im Leid mit Bibelsprüchen zu konfrontieren, wenn man keine konkrete Hilfestellung bieten kann (Sprüche 25, 11).

Für uns zum Mitnehmen:

  • Wer leidet in meinem Umfeld?
  • Nehme ich auch den Kummer hinter dem Lächeln wahr?
  • Wer ist mein Nächster? Jeder ist mein Nächster.

Beistehen:

  • Geh hin!
  • Sei da!
  • Höre zu!
  • Nimm nichts Belastendes wieder mit!
  • Rede nur, wenn du wirklich sollst! (Sprüche 25, 11)
  • Frage, wenn du unsicher bist!
  • Bete!
  • Frage auch später nach! (ggf. auch ein Jahr später)

5. Gott wirkt alles in allem zum Besten (Martin Lutzweiler – 02.06.2019)

Der Predigttext steht in Römer 8, 16 – 28. Im Vergleich zur zukünftigen Herrlichkeit in Ewigkeit wird das Leid sehr klein sein. Alles, die ganze Schöpfung, sehnt sich nach Erlösung. Alle Dinge sollen allen, die Gott lieben, zum Besten dienen. Römer 8 gibt Antwort auf das Leiden, um es aushalten zu können mit der großen Sicht auf die Wirkung des Heiligen Geistes und die Erlösung.

Im Text steht dreimal „seufzen“ bzw. besser übersetzt „stöhnen“. Es ist das Stöhnen des Todes, der Vergänglichkeit, aber auch das Stöhnen in den Geburtswehen. Alle Dinge sollen zum Besten dienen (Vers 28); im bzw. durch das Leid können wir Gott erleben. Dazu mag man den Blick in den Himmel auf Gott richten.

  1. In der Situation des Leidens sollen wir Gott als den liebenden Vater ansprechen. Das stärkt die Beziehung zu Gott, auch dann, wenn wir das Leid nicht verstehen können.
  2. Wir sollen auf Gott, den Vater, auch im Leid vertrauen. Denn „alles trägt zum Besten ein.“ Die bessere Lesart lautet: „Gott wirkt alles in allem zum Besten.“ So war auch das Leiden Jesu (zu unserem) Besten. Der Knecht oder Jünger steht nicht über seinem Herrn, also ist es ganz normal, dass auch wir leiden müssen, weil Jesus (für uns) gelitten hat. Allerdings ist unser Leiden nicht vergleichbar mit dem Leiden Jesu, der damit auch alles Leid der Welt getragen hat.
  3. Am Ende der Dinge wird alles gut. Die Sicht muss auf das Ende der Heilsgeschichte gerichtet werden, um erahnen zu können, dass alles Leid und Übel von Gott zum Besten hin geführt und aufgelöst wird. Das Leid ist nicht alles und es ist nicht das Ende. Es fällt nicht ins Gewicht, weil Jesus die eigentliche Last getragen und besiegt hat: Wenn das Leid uns tötet, sind wir in Gottes Herrlichkeit – in ein Leben ohne Schmerzen – hinübergegangen. Der irdische Tod ist somit die Erlösung von Schmerzen, Leiden, Anfechtungen …

Das ist unsere Hoffnung. Der Heilige Geist hilft uns, an dieser Hoffnung festzuhalten.