Die Predigt von Martin Lutzweiler am 10. Februar 2019 gehört zur Predigtreihe „Überraschend anders … Jesus und seine Gleichnisse“. An diesem Sonntag war das Gleichnis über die Gebete vom Pharisäer und vom Zöllner (Lukas 18, 9 – 14) Gegenstand seiner Predigt – sicherlich mit überraschenden Aspekten auch für all diejenigen, denen dieses Gleichnis schon lange vertraut ist.

Zur Rechten Gottes schlägt ein menschliches Herz: Jesus. Und wie Jesus selbst als Gott bleibende Bedeutung hat nach seinem Wirken als Mensch auf der Erde, so haben auch seine Gleichnisse für uns noch eine Bedeutung.

Überraschend: Jesus war als Mensch auch ein Schriftgelehrter, eigentlich sogar in der Richtung der Pharisäer. Und er galt als Rabbi. Außer im Neuen Testament finden sich Gleichnisse nur in der rabbinischen Literatur.

Gleichnisse sollen den Menschen etwas deutlich machen über sie selbst und über Gottes Wesen. Sie sind das Bilderbuch Gottes. Sie waren auch der Ausbildungsplan von Jesus für seine Jünger und sind es damit auch für uns.

Ein Grundproblem von uns Menschen: Selbstgerechtigkeit und Heuchelei.

Der Pharisäer steht an sich für das Streben nach Gerechtigkeit im Sinne von „den Ansprüchen Gottes gerecht werden“. Das ist grundsätzlich etwas Positives. Jesus zeigt nun in dem Gleichnis zwei Wege, die ein Mensch (was sich dann im Gebet äußert) gehen kann:

  1. Der Pharisäer orientiert sich an den Regeln und achtet darauf, sie einzuhalten. Sein Problem:
  • Distanzierung von den Menschen, die dem nicht gerecht werden
  • Neigung, sich in ein besseres Licht zu rücken beim Vergleichen mit anderen Menschen
  • Sein Herz ist nicht von Gottes Güte bestimmt. Er dreht sich im Gebet nur um sich selbst.
  1. Der Zöllner: „Gott, vergib mir, dem Sünder.“
  • Er vergleicht sich nicht mit anderen Sündern.
  • Er beginnt nicht mit einer Aufzählung einzelner Sünden, sondern bekennt seine sündige Persönlichkeit.
  • Es geht ihm nicht um die Vergebung seiner einzelnen Taten, sondern um die Veränderung seiner Person.

==> Dieses zweite Gebet wird von Jesus erhört.

Was Jesus damit sagen will: Wer sich selbst erniedrigt, wird (von Jesus) erhöht werden. Wer sich dagegen selber erhöht, wird erniedrigt werden. Es kommt auf die Gesinnung des Herzens an.

Frage an uns: Haben wir die erforderliche Demut?

Nun muss man wissen, dass die Bibel unter Demut nicht eine kriecherische, schmierige Haltung versteht, sondern die Aufgeschlossenheit des Menschen gegenüber seiner Stellung zu Gott und zu Gottes Angebot zur Vergebung und zur Erneuerung der Gesinnung.

Gott fragt nach unserer Herzensbildung, nicht nach unserer Einbildung.