Impuls aus der Predigt von Martin Lutzweiler vom 8. Juli 2018

In diesem Gottesdienst wurde die neue Gemeindeleitung – es ist mit einer Veränderung die bisherige Gemeindeleitung – für die nächsten fünf Jahre eingesetzt. Wer in die Gemeindeleitung berufen ist, ist zur Leiterschaft berufen. Was Leiterschaft bedeutet, war Gegenstand dieser Predigt.

Im Neuen Testament kommt Leitung bzw. Leiterschaft oder Leiter (griechisch archon) selten vor. Und wenn es vorkommt, dann nicht im Zusammenhang mit der Leitung der Gemeinde, sondern im Zusammenhang mit Personen aus der weltlichen Obrigkeit. Der Begriff archon war wegen seines Bezuges zur weltlichen Obrigkeit mit starken Assoziationen verbunden, die im Gegensatz zur Wesensart von Leiterschaft im biblischen Sinne standen. Man kann es vergleichen mit dem Wort Führer und dessen Assoziationen in der Nachkriegszeit – dieser schon sehr lange gebräuchliche Begriff wurde vermieden.

Im Alten Testament findet sich auch ein Begriff, der durch seinem üblichen Gebrauch zuerst einmal negative Assoziationen hervorruft, nämlich wenn von König und Königsherrschaft die Rede ist. Samuel muss dem Volk Israel, als es nach einem menschlichen König verlangt hat (und damit eigentlich Gott ablehnt), erklären, was das Recht des Königs ist (Steuern, Frondienste, Kriegsdienst). Und in der Praxis wurde es mit der menschlichen Königsherrschaft dann noch viel schlimmer als Samuel es dem Volk dargestellt hatte. Es war das genaue Gegenteil dessen, wie Gottes Königsherrschaft aussieht. Es war Gottes Wille, dass kein Mensch über andere Menschen herrschen sollte.

Zwei Psalmen (21 und 72) veranschaulichen, wie göttliche Königsherrschaft aussieht: Der König ist gerecht, ein Retter, sorgt für Frieden und Wohlstand, hilft den Armen und Unterdrückten. Wenn sich ein menschlicher König unter Gottes Willen stellt und damit von ihm Segen empfängt, ist er auserwählt, Gottes Segen für alle Zeiten weiterzutragen. Es kommt darauf an, wie die Herrschaft ausgeübt wird: Zum eigenen Vorteil oder zum Segen für die Menschen. Mein Eindruck: Beide Psalmen weisen prophetisch auf Jesus als König und dessen sanfte Königsherrschaft hin.

Ist nun jede – noch so schlechte – Obrigkeit (wie Paulus zu sagen scheint) von Gott eingesetzt? Paulus wollte damit ausdrücken, dass sich jeder Herrscher einmal vor dem Herrn aller Herren verantworten muss. Gute Herrschaft ist Teilhabe an der göttlichen Leiterschaft.

Auserwählung zur Leiterschaft: Gott wählt einzelne Personen, aber auch ganze Gruppen oder ein Volk aus. Diese Menschen sollen Gottes Segen weitergeben als Leiter an ihre „Untergebenen“, als Volk an die anderen Völker. Ein Leiter soll Segensträger sein. König David ist ein Modell auf den König Jesus.

Und wir? Gemäß Epheser 1 Vers 1 sind wir durch Jesus gesegnet in allen Dingen und auserwählt, an seiner Leiterschaft Anteil zu haben, als Träger des göttlichen Segens (Gesalbte in Jesus Christus) für andere Menschen ein Segen zu sein – in der Familie, im Beruf, in der Nachbarschaft – überall da, wo unsere Lebensfelder sind.