Machtgeil?

„Wer unter euch groß werden will, soll den anderen dienen!“ So sagt es Jesus zu seinen Jüngern in Markus 10, 43. Dies ist eine absolute Aussage und charakterisiert, wie Jesus Leiterschaft sieht.
Schauen wir in unsere Umwelt, dann stellen wir oft andere Praktiken fest. Trotz propagierter Sozialkompetenz für Leitungsposten, ist diese in der Realität sehr oft klein geschrieben. Ellenbogentechnik und Durchsetzungsvermögen ist praktizierter Egoismus im Alltag. Schon im Kindergarten geht es darum, wer der „Bestimmer“ sein darf.
Mich fasziniert immer wieder bei Mannschaftssportarten, dass Abstiegskandidaten in der folgenden Saison mit nahezu gleichem Personal zu Meisterschaftsanwärtern werden. Oft war nur der Trainer gewechselt worden. Wir hören bzw. lesen dann: „Er hat einen Draht zur Mannschaft. Er kann die Fähigkeiten und das Potenzial seiner Spieler lesen und entwickeln. Die Mannschaftsaufstellung spiegelt die Erkenntnisse des Trainers anforderungsbezogen.“ Aus gegenseitigem Respekt wird das Wir von Trainer und Mannschaft gelebt. Gemeinsam gewinnt und verliert man. „Einer für alle, alle für einen!“ – d’Artagnan in Les Trois Mousquetaires

Vor allem der Leiter bzw. die Leitung hat das Mandat, Begabungen zu erkennen und zu fördern. Die Leitung kann den Begabten positionieren und ihm die Möglichkeit geben, zur Ehre Gottes zu dienen. Und dies ist auch der Schöpferauftrag in Bezug auf Leitungsausübung. Die individuellen Gaben sind ein Auftrag Gottes. Insofern sind alle Menschen durch ihre Begabung mit einem Auftrag versehen, dem sie nachkommen sollen und zwar bestmöglich.
Jedes (Mannschafts-) Gemeindeglied kann nur dann seiner Beauftragung nachkommen, wenn der Leiter bzw. die Leitung ihn richtig positioniert. Erfolg stellt sich da ein, wo jedes Glied auf „seinem“ Platz ist und in dienender Haltung sein Bestes gibt. Beim biblischen Gemeindeorganigramm ist die Spitze unten und nicht oben. Weil Jesu Vorbild es so zeigt. Allgemeines Priestertum, wie es das NT formuliert, wird auf diese Weise gelebt. Ist nun mit dem vorhergehend Beschriebenen alles gleichgestellt? Wirklich nicht! Wem viel gegeben ist, von dem wird viel erwartet, sagt die Bibel.
Wenn wir als Gemeinde in der ersten Liga spielen und zudem auf Meisterkurs sein wollen, dann braucht es eine dienende Leitung, aber auch eine dienende Gemeinde nach dem Vorbild Jesu. Im vorher beschriebenen Sinn gelebte Gemeindearbeit ist nicht einfach nur gut, sondern, um es salopp auszudrücken, echt genial!