Andrea Bergmeyer ist 49 Jahre alt und seit 26 Jahren mit Werner verheiratet. Gemeinsam haben sie vier Kinder. Andrea ist Notarsekretärin und arbeitet momentan halbtags als kaufmännische Angestellte. Seit über zwanzig Jahren gehört sie mit ihrer Familie zur Christlichen Gemeinschaft in Ellmendingen.

Andrea, wie bist Du aufgewachsen?

Ich bin in Schorndorf geboren und in Winterbach groß geworden. Meine Zwillingsschwester, Elisabeth Gerger, war immer meine beste Freundin, obwohl wir als Kinder auch viel gestritten haben. Mit ihr habe ich alles geteilt und besprochen.

Wart ihr auch in der Berufswahl unzertrennlich?

Eigentlich habe ich mich für Sozialpädagogik und Sprachen interessiert. Als sich meine Schwester auf einer Sekretärinnenschule beworben hat, habe ich das auch gemacht. Allerdings hat sie sich für eine Banklehre entschieden.

Was waren Deine Hobbys?

Musik – wir haben in einem Posaunenchor Trompete gespielt und in einem Chor gesungen, mit dem wir durch ganz Deutschland gereist sind. Ich habe gerne Klavier und Gitarre gespielt und Handarbeiten gemacht. Allerdings das einzige Hobby, das ich immer noch sehr gerne mache, ist das Lesen.

Was hat Dich als Kind außerdem noch sehr geprägt?

Meine Eltern waren Christen. Sie haben uns jedes Jahr zu Kinderfreizeiten geschickt. Dort habe ich mich jedes Jahr „bekehrt“. Leider haben mich durch das Jahr oft Zweifel geplagt, ob ich wirklich zu Gott gehöre. Es war schade, dass die Leiter auf diesen Freizeiten nicht so sensibel waren und eindeutig rüber gebracht haben, dass egal wie ich mich fühle, egal ob ich Fehler mache – Jesus steht zu mir.

Du hast Zweifel also gar nicht erst zugelassen?

Nach manchen Enttäuschungen erlebte ich so eine Art „geistliche Wüstenzeit“. Alles in mir war richtig trocken und erstarrt und mir kam es vor, als ob Gott weit weg sei. Geändert hat sich das bei einer Pro Christ-Evangelisation. Ulrich Parzany rief die Menschen auf, ihr Leben Jesus zu übergeben und nach vorne zu kommen. In seinem Gebet für sie sprach er ihnen zu: „Dir sind deine Sünden vergeben.“ Obwohl ich nur Zuschauer und ja auch schon viele Jahre Christ war, traf mich dieser Satz mitten ins Herz. Es war als hätte Gott das direkt zu mir gesagt.

Und was veränderte sich dadurch?

In diesem Moment hab ich angefangen, mich riesig zu freuen. Diese Freude und ein tiefer Friede hat mich seither nie wieder verlassen. Jesus ist jetzt mein bester Freund, der mich immer begleitet und mit dem ich alles bespreche.

Du vertraust Gott also nicht einfach stur, sondern packst vor ihm aus, wenn Du Sorgen hast?

Je älter ich werde, desto mehr neige ich leider dazu mir viele Sorgen zu machen, besonders nachts, und es hilft mir, im Gebet Gott diese Sachen zu übergeben. Einmal habe ich mir ganz fürchterliche Sorgen um eines meiner Kinder gemacht. Meine Gedanken liefen buchstäblich Amok. In meiner Verzweiflung habe ich mich in an meinem Arbeitsplatz auf der Toilette eingeschlossen um zu beten. Da war plötzlich ein ganz klarer Gedanke und ich weiß, dass Gott persönlich zu mir darin gesprochen hat: „Willst du mir das endlich abgeben oder dir weiter Sorgen machen?“ Die Last fiel richtig spürbar von mir ab. Von diesem Tag an hat sich in dieser Sache alles zum Guten gewendet, das war echt ein Wunder. Auch die Lehrerin hat mir das später bestätigt, denn sie wusste aus Erfahrung, dass sich das normalerweise nicht auswächst und einfach so bessert.

Ich habe auch festgestellt, dass Dankbarkeit ein gutes Gegenmittel für Sorgen ist, und ich bin bemüht, mich zu einer dankbaren Herzenshaltung zu „erziehen“.

Die Gemeindeleitung hat Dich angefragt, ob Du bereit wärst zur zukünftigen Ältestenschaft (Gemeindeleitung) zu gehören. Du hast sofort ja gesagt – wieso?

Normalerweise tue ich mich schwer mit neuen Herausforderungen und ich muss mir alles immer erst sehr gut überlegen. Aber ich bin schon mal für eine Zeit lang als Diakonin eingesetzt gewesen und war auch bei den Treffen der Ältesten dabei. Es ist mir also nicht ganz so neu.

Vor 1 3/4 Jahren predigte Pastor Walter Neufeld aus Paraguay zu dem Thema Berufung und Bevollmächtigung. Auf dem Heimweg vom Gottesdienst meinte ich zu hören, dass ich Älteste werden soll. Damals habe ich mit Gott besprochen, dass ich einfach still warten würde und wenn ich denn je gefragt werden würde, dann wüsste ich, dass er mich dazu berufen hätte.

Wo engagierst Du Dich zur Zeit schon?

Früher war ich im Frauengesprächskreis, das hat damals sehr gut zu meinem Lebensumfeld gepasst. Jetzt unterstütze ich das Lesezeichen-Team, koordiniere die Lobpreisteams, helfe mit, besondere Veranstaltungen zu organisieren und bin auch in Bistro, Küche und Stielbar tätig. Das gehört ja zu unserem „missionarisch-kulinarischen Konzept“ – wobei es mit dem „missionarisch“ noch ein bisschen mehr werden dürfte. Aber es braucht auch Zeit sich zu entwickeln.

Was ist Dir für Deine Mitarbeit in der Gemeindeleitung noch sehr wichtig?

Einheit. Ich wünsche mir, dass wir in dem Findungsprozess, in dem wir als größer werdende Gemeinde stehen, gemeinsam auf Gott hören. So herausfinden, was Gott will und dieses Ziel gemeinsam anpacken. Außerdem hoffe ich, dass hier noch viele Menschen von Jesus gefunden werden.

Das „Reich Gottes“ beschäftigt zur Zeit die Gemeinde. Was ist Dir nach dem Input von Keith Warrington wichtig?

Meine Gemeinde ist sehr wichtig, ein Zuhause für mich. Aber sie soll alle anderen Lebensbereiche unterstützen und gestalten helfen. Dass ich mehr verstehe, dass ich ein Gesandter des Reiches Gottes bin, um in dieser Welt zu dienen. Dazu muss ich wahrscheinlich noch öfters meine Wohlfühlzone verlassen.

Hast Du noch einen „geheimen“ Traum für Dein Leben?

Wenn einmal alle meine Kinder aus dem Haus sind, würde ich gerne für ein oder zwei Jahre bei einer Mission im Ausland im Büro oder im Gästehaus mitarbeiten.

Hast Du einen Lieblingsbibelvers, den Du uns mitgeben möchtest?

„Denen die Gott lieben, werden alle Dinge zum Besten dienen.“ Das motiviert mich total, spricht mich an und tröstet mich.

Danke Andrea für Deine Offenheit!