Nachgefragt bei Anja & Norman Bellert

Anja und Norman Bellert wohnen seit 2003 in Nöttingen. Anja ist Krankenschwester und Norman arbeitet als Prüfungsbeamter beim Rechnungshof. Seit 2012 besuchen sie mit ihren beiden Söhnen Luca und Jannik die Christliche Gemeinschaft in Ellmendingen.

Norman, was hat dir an Anja gefallen?

Ihr Äußeres hat mich sofort angezogen. Sie war das Beste im Jugendkreis vom AB Verein in Pforzheim. Eigentlich war es dort verpönt, mit 17 schon eine Freundin zu haben. Aber uns zog es magisch zueinander hin. Obwohl wir sehr verschieden sind, haben wir entdeckt, dass wir Seelenverwandte sind und ganz ähnlich denken und fühlen.

Der Glaube an Gott hat also schon früh eine Rolle bei euch gespielt?

Anja: Als ich acht Jahre alt war, starb mein Vater und in mir blieb eine große Sehnsucht nach ihm zurück. Gott nahm diese Vaterstelle für mich ein. Mit 13 habe ich Jesus als meinen persönlichen Retter angenommen. Das gab mir Halt. Viel Trost fand ich dann auch beim Bibellesen – ich hatte richtigen Hunger danach.
Norman: In unserem Jugendkreis – in den wir zusammen gingen – waren zwei Dinge wichtig: Evangelistische Straßeneinsätze, bei denen wir Menschen von Jesus erzählt haben, und Bibel lesen. Wir dachten, das sei die einzig richtige Art, seinen Glauben zu leben.

Klingt ein bisschen langweilig – seht ihr das immer noch so?

Nein, es ist sehr viel mehr als das geworden. Kommen wir heute mit Menschen über Jesus ins Gespräch, dann beten wir oft für sie, gerade wenn sie Probleme haben oder krank sind. Wir rechnen fest damit, dass der Heilige Geist uns beim Beten hilft. Ein Leben ohne den Heiligen Geist können wir uns gar nicht mehr vorstellen und das ist spannend. Aber früher hatten wir eher Angst vor ihm oder dachten sogar, wenn Menschen lachten, weinten oder sogar in einer anderen Sprache beteten, sei das etwas, das vom Bösen kommt.
1990, als wir verlobt waren, kamen wir durch Freunde in die Christliche Gemeinschaft in der Baustraße in Pforzheim. Dort erlebten wir zum ersten Mal die sichtbaren Auswirkungen des Heiligen Geistes und begannen uns dafür zu öffnen. Ich (Norman) wurde mit 27 Jahren in der Gemeinde Ältester. Als Menschen zu mir kamen, die krank waren, wagte ich es einfach und betete für sie – und das Interessante war, Gott erhörte diese Gebete.

Erhört Gott alle Gebete um Heilung?

Norman: Ganz offensichtlich tut er das nicht. Wir dachten, man muss auf jeden Fall besondere Regeln einhalten, um Gott zu gefallen – und dann erhört er vielleicht unsere Gebete. Während wir gerade anfingen, mutiger zu werden und für andere Leute zu beten, starb Anjas Mutter.
Anja: Dass sie so plötzlich und jung sterben musste, hat mich total irritiert. Einerseits wurde ich immer offener für Gott und dann dieser Schlag. Ich hatte mich so bemüht, gut zu sein und Gott zu gehorchen. Und dann nahm er mir meine Mutter, zu der ich ein sehr enges Verhältnis hatte.

Den Umgang mit Krankheit und Tod warst du doch auch durch deinen Beruf „gewöhnt“, oder?

Anja: Ich glaube nicht, dass ich mich je an Leid gewöhnen kann. In eine noch größere Krise stürzten wir nach der Geburt unserer Tochter Ann-Sophie. Sie musste in der 31. Schwangerschaftswoche auf die Welt geholt werden, weil ich eine EPH-Gestose hatte – wir schwebten beide in einem lebensgefährlichen Zustand, den wir Dank einem Kaiserschnitt beide überstanden.
Norman: Unsere Tochter war zwar noch sehr klein, hatte aber gute Voraussetzungen zu leben. Als Ann-Sophie dann plötzlich eine Infektion bekam und eine Woche nach ihrer Geburt in unseren Armen starb, waren wir wie gelähmt. Alle Gebete um Heilung wurden nicht erhört. Knallhart kamen dann auch noch die Ärzte und warnten uns, dass sich weit über 70% der Paare nach so einem Verlust scheiden ließen.

Wie hat eure Ehe und eure Beziehung zu Gott das ausgehalten?

Anja: Was wir da innerhalb weniger Jahre erlebt haben, war erst einmal zuviel für uns. Ich habe mich wie Hiob gefühlt. Es war wie ein Schock. Die Mehrheit unserer Freunde war mit der Situation überfordert. Ihre Worte prallten an uns ab.
Norman: Einige Wochen nach Ann-Sophies Tod besuchten wir eine Seelsorgewoche vom Josua-Dienst. Wir spürten, wir schaffen das nicht alleine. Wir brauchten ganz dringend Hilfe. Die Leiter dort hatten selbst einen erwachsenen Sohn verloren. Trotzdem hörten sie nicht auf, für Kranke zu beten. Wir dachten, wenn uns jemand versteht, dann diese Leute.

Wie konnten sie euch helfen?

Anja: Ich stand unter Schock. Ich habe zu Gott gesagt: Wie kann ich dir noch vertrauen? Liebst du mich überhaupt? Ich kam mir vor, als würde ich im freien Fall ins Bodenlose stürzen. Am Ende der Woche beteten die Mitarbeiter intensiv mit uns. Plötzlich sah ich mich in einem Lichtkegel stehen – ein helles gleißendes Licht umgab mich. Es war Jesus selbst, der meinen freien Fall gestoppt hat. Ich wusste mit absoluter Klarheit: Mein Gott ist lebendig. Meine Warum-Fragen waren mit einem Mal gestillt – in IHM selbst. Ich konnte alles loslassen, was ich bis dahin über Gott gedacht und von ihm erwartet hatte.
Aber bis heute sehen wir keinen Sinn im Tod unserer Ann-Sophie.
Norman: Diese Woche war für mich ähnlich tröstlich wie für Anja und sehr entscheidend. In meiner Not hat Gott mich durch den Bibelvers Johannes 16, 22 – 23 a (Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.  An dem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen) geraden auf meine Warum-Fragen angesprochen. Er hat sich mir als Vater offenbart. Danach wusste ich, Gott ist ein ewig-guter Vater, egal, was passiert.

Ihr musstet durch einen langen Trauerprozess gehen und habt noch zwei Fehlgeburten erlebt. Trotzdem betet ihr heute für andere Menschen. Wie ist das möglich?

Norman: Während dieser Seelsorgewoche wurde uns eine grundlegende Frage gestellt: Wollt ihr den „vollen Jüngerschaftsauftrag“ annehmen? – wir haben beide beschlossen, dass wir das tun wollen.

Was heißt „voller Jüngerschaftsauftrag“?

Norman: „Jesus hat seine Kinder beauftragt: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium…“, und weiter wird den Jüngern versprochen: „Schwachen werden sie die Hände auflegen und sie werden sich wohlbefinden.“(Markus 16, 15-18)
Im Gebet für Kranke oder für andere Menschen geht es primär nicht um Heilung, sondern es geht um die enge Verbindung mit Jesus, der mich und alle Menschen unendlich liebt. Er hat ein großes Herz für mich – das Vaterherz. Dort war ich und dorthin will ich immer wieder zurückkommen – und auch andere Menschen hinbringen.

Ihr habt – zusammen mit anderen – in der CG die „Räume für Heilung und hörendes Gebet“ gegründet. Wie kam es dazu?

Bevor wir 2012 in die CG nach Ellmendingen kamen, gehörten wir eine Zeit lang zu keiner Gemeinde. Wir hatten versucht, in Nöttingen eine Art Hauskirchengemeinde zu starten. Dieser Traum ist geplatzt, denn alle sind abgesprungen, die sich anfangs dafür interessiert haben.
Nach dem ersten Besuch in der CG war es für uns alle wie ein „Nachhausekommen“. Unsere Söhne sagten zu uns: „Wir bleiben hier – egal, wohin ihr zur Gemeinde geht.“
Norman: Ich wollte auf jeden Fall abwarten, was Gott von mir wollte, bevor ich wieder aktiv wurde. Die Räume für Heilung und hörendes Gebet sind dann fast wie von selbst passiert bzw. von Gott platziert worden.

Was ist euch wichtig?

Wir möchten Reich Gottes leben. Unser Vertrauen auf Jesus ist gewachsen. Früher ging es uns um geistliches Leisten. Davon hat Gott uns vor allem durch das, was wir in unseren Tiefen erlebt haben, weggebracht.
Wir glauben, dass Gott in dieser Region an den Menschen etwas tun möchte, und haben das auch schon erlebt. Wir dürfen die Menschen im Gebet zu Ihm bringen. Dabei wächst unser Vertrauen und das verändert uns.
Es geht nicht darum, dass wir nur auf körperliche Heilung fokussiert sind. Niemand hat etwas im Griff, eine gewisse Spannung wird immer bleiben. Wichtig ist, dass wir authentische Menschen bleiben und unsere Gefühle zulassen und uns so Jesus zur Verfügung stellen.