Nachgefragt bei Caro und Joe Dietze

Johannes und Carolin Dietze sind 28 und 25 Jahre alt, seit sechs Jahren verheiratet und haben zwei kleine Töchter (Salomé, Malena). Im Herbst 2011 ist das Uhrmacherehepaar nach Büchenbronn gezogen. Seither nehmen sie jeden Sonntag eine zwanzigminütige Fahrzeit in Kauf, um die Gottesdienste in der CG Ellmendingen zu besuchen.

Wie seid ihr auf die CG Ellmendingen aufmerksam geworden?

Johannes: Wir hatten uns schon in Glashütte (Erzgebirge) vorgenommen, hier in Pforzheim eine Gemeinde zu suchen, in der es auch Salomè gefällt. Wir bekamen einen Tipp von einem Pforzheimer Geschäftspartner meines Vaters. In der Schatzinsel hat Salomè sich schnell zu Hause gefühlt.

Was hat euch nach Pforzheim geführt?

Johannes: Unzufriedenheit ist der erste Schritt zur Veränderung. Die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung an meinem damaligen Arbeitsplatz waren ausgeschöpft. Darum habe ich mich schon davor in Hamburg, der Schweiz usw. beworben. Als sich das wegen der Wirtschaftskrise zerschlagen hat, habe ich den Uhrmachermeister gemacht.

Gab es noch andere Gründe, wieso ihr aus Glashütte weg wolltet?

Carolin: Glashütte in Sachsen ist das Zentrum der hochwertigen deutschen Uhrenindustrie. Rund 7000 Einwohner leben dort und für 2000 Menschen wird Arbeit in acht Uhrenmanufakturen sichergestellt. Viele sind stolz darauf. Aber alles ist eingefahren und ein Vorankommen ist kaum möglich. Außerdem gibt es jeden Winter viel hohen Schnee – das hat mir nicht gefallen.

Johannes: Wie vor jeder wichtigen Entscheidung meines Lebens, habe ich um Gottes Führung gebetet.

Carolin: Ja, er hat auch gebetet, ob ich die richtige Frau für ihn bin und ob es gut ist, dass wir schon so früh heiraten.

Und Gott hat euch also nach Pforzheim geführt?

Johannes: Wir haben im Vorfeld gebetet, dass sie mich zu meinen Bedingungen einstellen, wenn Pforzheim für uns der richtige Ort ist. Als Bestätigung bat ich Gott um schönes Wetter für den Tag des Vorstellungsgespräches. Als ich abends zuvor im Dunkeln ankam, standen da zwielichtige Typen rum – erst am Morgen sah ich, dass ich gegenüber der Hells Angels genächtigt hatte. Bei strahlendem Sonnenschein ging ich zu Fuß zur Swatch Group in der Hohenzollernstraße, dabei stieß mich Pforzheim sehr ab. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass meine Kinder in dieser Stadt aufwachsen sollten. Obwohl ich dann die Stelle bekam, war ich mir sehr unsicher.

Aber ihr seid trotzdem gekommen?

Johannes: Heute denke ich, Gott hat es nicht leicht mit mir , denn ich bat Ihn noch um fünf weitere Zeichen – ich wollte vollkommen sicher sein. Ich bat Gott erstens um einen Traum. Ich träumte, dass ein Freund mich um Hilfe bat, ihm etwas bestimmtes beizubringen. Zweitens traf ich unseren Pfarrer, der zu mir sagte: Joe, bei Gott muss man losfahren, dann erst kann Gott das Auto lenken.

Auch meine Schwester sagte am Telefon sinngemäß dasselbe: Wenn Gott das Schiff lenken soll, dann musst du die Segel setzten. Aber die Entscheidung belastete mich weiter. In der Bibel las ich dann, wie David seine Heimat verlassen musste, um ins Feindesland zu fliehen. Das siebte Zeichen kam in einer Predigt: (Jesus und Petrus gehen auf dem Wasser) Wenn du Jesus erleben willst, musst du aus dem Boot klettern!

Hat der Glaube schon immer eine so große Rolle für euch gespielt?

Carolin: Mir und meiner Zwillingsschwester war es frei gestellt, zu glauben, oder nicht. Ich habe mich taufen lassen, um konfirmiert zu werden. Aber danach ist alles abgeflacht. Erst durch Johannes wurde ich wieder darauf aufmerksam. Es stand zwar nicht ganz vorne bei ihm, aber jedes längere Gespräch lief darauf hinaus.

Johannes: 1995, als ProChrist in Leipzig statt fand, habe ich mich mit 11 Jahren für Jesus entschieden. So ab 14/ 15 hatten meine Eltern es ziemlich schwer mit mir, glaube ich( grinst). Ich hatte mich dem Hip-Hop-Lebensstil verschrieben. Feiern und „Chillen“ mit allem drum und dran war für meine Freunde und mich angesagt. Ich bewegte mich häufig in einer Grauzone, die mich nur oberflächlich glücklich machte, aber nicht erfüllte. Auch wenn die Partys gut waren, blieb hinterher eine Leere. Vor allem die Angst vor chemischen Drogen, hat mich vor Schlimmem bewahrt. Dass ich wieder zu Jesus zurück fand, war aber ein längerer Prozess.

Carolin: Ich bin behütet aufgewachsen und habe nur gehört und gelesen, wie schlimm das Böse sein kann – Johannes hat den Abgrund gesehen und weiß, wie finster das Böse wirklich ist.

Seit ihr in die CG Ellmendingen kommt, engagierst Du Dich in der Jugend, gehörst mittlerweile zum festen Mitarbeiterkreis.

Johannes: In Erinnerung an meine Jungscharzeit, hatte ich die Jugend schon in Glashütte auf dem Herzen. Leider gab es dort keine Jugend. Ich ging mit 16 trotz meiner krummen Geschäfte in Leipzig in eine Brüder Gemeinde zur Jugend. Wenn ich hinkam, haben sich alle ehrlich darüber gefreut. Und das fand ich immer cool. Das hat mir Rückhalt in einer dunklen Welt gegeben. Deshalb ist für mich Jugendarbeit in diesem Alter wichtig.

Wir müssen uns darüber klar sein, dass die behüteten Jugendlichen hier in der CG ein stabiles Fundament brauchen. Wenn sie von hier weg, an die Uni gehen, dann werden unter 100 vielleicht zwei Studenten sein, die zu ihrem Christsein stehen. Vielleicht bauen sie, so wie ich, auf ihr festes Fundament zunächst ein Kartenhaus. Aber wenn es einstürzt, dann ist das feste Fundament immer noch da.

Ihr habt schon zwei Kinder – hattet ihr das so geplant?

Carolin: Der beste Planer ist Gott und Kinder wollten wir auf jeden Fall. So früh hätten wir uns von selbst nicht dafür entschieden, aber es war perfekt so. Ich finde Kinder ein toller Lebensinhalt, der unserem Leben einen Sinn gibt, den wir nicht missen wollten.

Habt ihr noch einen Traum?

Wir würden gerne für die nächsten Jahre hier bleiben und bitten Gott uns zu zeigen, ob wir ein Haus bauen sollen, oder nicht. Da haben wir viele Fragen. Aber egal wie die Entscheidung ausfällt, wir wissen, Gott hat einen guten Plan für uns.

Das Motto der CG Ellmendingen ist „Freundlichkeit Gottes erleben“. Habt ihr schon davon gehört?

Carolin: Echt? Nee.

Johannes: Ja, wir haben das schon erlebt, man kam von Anfang an sehr freundlich und offen auf uns zu.

Carolin: Ja, einmal kamen drei Teeniemädels auf mich zu, die Joe im seven2eight kennengelernt hatten. Das fand ich überraschend nett!

Danke für das nette, offene Gespräch!