Carola und Victor sind seit 19 Jahren verheiratet. Mit ihren drei Kindern, Gabriel, Lea-Elisa und Conrad wohnen sie seit Dez. 2012 im „Hausmeisterhaus“. Carola liebt Lobpreis, Bücher, Israel und überraschenden Besuch. Victor ist ehrenamtlicher Hausmeister der CG.

Wie wurdet ihr Hausmeister der CG?

2009 haben wir uns vor Gott festgelegt, dass wir in Ellmendingen wohnen möchten. Außerdem beteten wir um eine gemeinsame Aufgabe. Als wir gefragt wurden, ob wir in das Hausmeisterhaus ziehen würden, war das für uns eine Gebetserhörung.

Wie seid ihr nach Ellmendingen gekommen?

Aus beruflichen Gründen hat es uns 2002 aus dem Schwarzwald nach Mutschelbach verschlagen. Schon nach unserem ersten Besuch in der CG war für uns klar: das ist unsere Gemeinde!

Carola, wie war Deine Jugend?

Ich bin in Stuttgart geboren. Meine Eltern sind überzeugte Katholiken. Ich war Ministrantin und als Kind sehr fromm. Ich hatte viele Hobbys und war gern draußen unterwegs. In der Pubertät bekam ich große schulische und persönliche Probleme. Ich war deshalb so verzweifelt, dass ich anfing, mich mit Alkohol zu betäuben. Ich musste die Schule abbrechen und begann in einem, von Nonnen geführtenKinderheim, ein Praktikum. Dort begann ich ein Doppelleben zu führen: tagsüber war ich die brave „Maria“ (ich wurde auch so genannt) und abends fand ich mich regelmäßig in Kneipen wieder. Obwohl ich mir vornahm mich zu bessern, konnte ich es nicht. Eines Tages war ich so verzweifelt, dass ich Gott um Hilfe bat. Und er half! Mein Leben wollte ich ihm aber nicht geben, da ich Angst hatte, dann ins Kloster berufen zu werden.

Victor, wie verlief Deine Kindheit und Jugend?

Ganz glücklich. Ich bin in Berlin geboren und oft umgezogen und hatte daher häufige Schulwechsel. Deshalb fehlte mir vielleicht die Orientierung und ich begann mit 16 zu kiffen. Später, bei der Bundeswehr, begann ich auch noch zu trinken. Mich beschäftigte schon früh die Frage nach dem Sein und dem Sinn meines Lebens. Ich habe Kunstschmied gelernt. Der Jammer kam erst später.

Wie war Deine Beziehung zu Gott und dem Glauben?

Meine Mutter hat mich sehr liebevoll aber nicht sehr religiös erzogen, obwohl sie an Jesus glaubt. Ich kann mich an viele göttliche Momente erinnern, auch als ich noch kein Christ war. Bewahrungen, in denen Gott Engel geschickt hat, bevor Schlimmes passiert wäre. Kosmologie und Ontologie interessierte mich und ich wollte Astronom werden. Irgendwo da musste ER sein.

Du bist heute kein Astronom, oder?

Ja, das Physikstudium musste ich beenden, da es nicht mehr zu bezahlen war. Deshalb arbeitete ich wieder als Konstrukteur, da ich zuvor Feinwerktechnik studiert hatte. Seit 13 Jahren bin ich Software-Trainer.

Wie kam dann eine Wende in dein Leben?

1993 hat mich Jesus regelrecht an die Hand genommen und musste mich um die halbe Welt zerren, damit ich ihn finde: In einem Moment der Verzweiflung rief ich zu Gott – und er gab mir seine Hand in Form einer Wolke am Himmel: „Steh auf!“. Kurz darauf reiste ich spontan geleitet nach Chile. Bald begegnete ich einer Gemeinde, die dort evangelisierte. Ich verstand nur das eine Wort: „Jesus“ – in diesem Moment sah ich eine Brücke die in den Himmel führte und mir viel es wie Schuppen von den Augen: Jesus ist der einzige Weg zu Gott!

Diese Geschwister haben sich dann um mich gekümmert. Als ich schließlich nach 10 Monaten sehr gesegnet zurück kam, wollte ich Gott mein Leben ganz hingeben – und das hat super zu der hübschen Carola gepasst, die ich kurz darauf in der BGG in Stuttgart getroffen habe.

Carola, Du hast inzwischen eine Ausbildung zur grafischen Zeichnerin und Retuscheurin gemacht. Auch das war nach dem Kinderheim keine einfache Zeit.

Mein erster Ausbildungsbetrieb ging kurz vor der Zwischenprüfung pleite. In der Not nahm ich eine neue Stelle an, wo die Ausbilderin sehr tyrannisch war. Jeden Morgen hielt sie mir eine Standpauke über meine Unfähigkeit. Dieser Stress verursachte bei mir einen Magenkrampf und schließlich Magersucht. In der Psychoanalyse sagte meine Therapeutin einen bedeutsamen Satz: „Du bist kein Opfer, sondern ein Täter, denn Du bringst dich gerade selbst um.“ Da wurde mir klar: ich hatte einen Lebensauftrag und ich bin dabei alles kaputt zu machen. Daraufhin las ich die Geschichte von Jona. Gott wird dort mehrmals als barmherzig beschrieben. Da fasste ich Mut, ihm mein Leben zurück zu geben. Erstmals waren daraufhin die Magenschmerzen eine Zeit lang verschwunden. Es war Gottes Antwort: Du sollst leben.

Zum Glauben an Jesus bist Du dann in der Stuttgarter BGG gekommen, wo Du einige Jahre später auch Victor getroffen hast.

Ich war zu der Zeit Bibelschülerin und stieg danach in eine Reha-Arbeit für ehemalige straffällige, drogenabhängige Jugendliche ein. Ich war ganz sicher über diese Berufung, denn Gott öffnete Türen. Leider waren die Zustände dort chaotisch und der Leiter war ein Choleriker, der mich bald wieder rauswarf. Also ging ich sehr enttäuscht nach Stuttgart zurück und stellte mich wieder ans Fließband. So kam es, dass Victor und ich schneller als geplant heirateten. In Chile, auf unserer Hochzeitsreise, wurden wir kirchlich getraut. Das war ein starkes Erlebnis.

Wieder zuhause holte uns der Alltag ein. Victor hatte keine Arbeit. Er verlor an den Problemen seinen Glauben und nahm sein altes Leben wieder auf.

Victor: Ich tat den Glauben als Absurdität ab. Durch den Alkohol veränderte ich mich und merkte nicht, was ich meiner Familie angetan habe. Schließlich ging ich wegen Depris zum Hausarzt. Der hat das eigentliche Problem erkannt und mir gesagt was los ist. Daraufhin konnte ich aufhören zu rauchen, zu trinken und zu kiffen – ohne eigene Anstrengung – und wieder war das pure Gnade. Erst im Wirfttal auf dem MV Gemeindetreffen war der Glaube plötzlich wieder da. Die Wand war verschwunden und alles wieder präsent: Jesus drang zu mir durch. Seither bin ich mit Gottes Hilfe trocken.

Carola: Über Gottes Wege hatte ich viele Fragen und Zweifel und konnte oft nicht mehr beten. Zum Glück hatte ich immer Glaubensgeschwister an meiner Seite, die an meiner statt gebetet und geglaubt haben. Wenn ich Gott aber etwas fragte gab er mir immer ein Zeichen, dass er da ist und mich sieht. Das tröstete mich und gab mir Kraft weiter zu gehen.