Carola ist 27 Jahre alt und seit knapp einem Jahr mit Christopher verheiratet. Sie liebt Musikmachen, Zahlen und teilt ihr Know-How gerne mit anderen. Ellmendingen ist ihre Heimat, aus der sie nie fortgezogen ist. Mit ihren Eltern kam sie in die Christliche Gemeinschaft, einen Ort, an dem sie einen Großteil ihrer Freizeit verbringt.

Carola, warum verbringst du so viel Zeit in der CG?

Die Leute hier sind meine Freunde und wir teilen mein wichtigstes Hobby, das Singen und Musizieren, also das „Lobpreis machen“. In der CG sein, ist wie „Zuhause sein“ für mich. Aber nicht aus Tradition oder weil mir gerade nichts Besseres einfällt. Ich entscheide mich, da zu sein und bin sehr stolz auf die CG. Diese Gemeinde finde ich cool. Wir spüren zurzeit, Gott verändert etwas. Hautnah erlebe ich, wie Gott die Gottesdienste vorbereitet: Er denkt sich tolle Sachen aus, mit denen er uns überrascht. Unglaublicherweise bin ich mitten drin und ein Teil davon.

Als Lobpreisleiterin und Keyboardspielerin sehen dich viele auf der Bühne. Wolltest du das schon immer sein?

Nein, absolut nicht. Das heißt, Keyboardspielen wollte ich schon, das tue ich seit über fünfzehn Jahren. Seit einigen Jahren leite ich auch die Band, einfach weil Bedarf war. Ein Freund von mir, Seby, der mit mir in der Jugendband war, hat mir mit sechzehn auf den Kopf zugesagt: „Du bist eine Lobpreisleiterin.“

Und das hat genau bestätigt, was du dir gewünscht hast?

Nein! Aber jemand musste ja die Band musikalisch leiten und das habe ich gerne gemacht. Organisieren, Noten kopieren, Termine ausmachen, so was liegt mir. Aber geistliche Verantwortung zu übernehmen – darauf wollte ich mich nicht einlassen.

Warum?

Ich dachte, was habe ich schon zu sagen? Dafür bin ich ja gar nicht ausgebildet.

Wodurch hat sich das geändert?

Angefangen hat es damit, dass ich mich mehr und mehr auf Lieder und ihre Texte eingelassen habe. Ich bin auf Lieder gestoßen, die mich zutiefst bewegt und mir wirklich etwas gesagt haben. „No longer slaves“ ist eines von ihnen. Es hat in mir…, da konnte ich einfach nicht mehr den Mund halten Zurzeit nehme ich an einer Worship-School (Lobpreisschulung) in Pforzheim teil. Anbetungsmusiker aus ganz unterschiedlichen Pforzheimer Gemeinden haben sich dafür zusammen getan. Ein Seminar mit Mia und Juri Friesen von der Outbreakband (Anmerkg.: deutschlandweit bekannte Lobpreis-Band) hat mich besonders bewegt.

Was hat sich seither bei dir verändert?

Vorher dachte ich, ich muss um jeden Preis die Kontrolle haben. Ich konnte mich nicht auf Dinge außerhalb meiner Wohlfühlzone einlassen: einfach nur Keyboard zu spielen und ansonsten meinen Mund zu halten. Selbst wenn mich etwas bewegt hat, habe ich das unterdrückt. Die Überwindung war einfach zu groß. Aber ich verliere die Angst immer mehr, weil ich begonnen habe, loszulassen. Mich einzulassen auf geistliche Impulse – und die liegen eindeutig außerhalb meiner Kontrolle.

Warum ist es dir so wichtig, die Kontrolle zu haben?

Ich bin ein Mensch, bei dem alles hundertprozentig stimmen muss. Ich will überall das Beste geben, perfekt sein, dann fühle ich mich sicher. Im Job zum Beispiel hatten sich dadurch viele Überstunden angesammelt. Und Abstriche zu machen, fällt mir schwer. Aber ich bin dabei zu lernen, mich bei Gott sicher zu fühlen, also IHM zu vertrauen.

Was machst du, wenn du nicht in der CG bist?

Nach meiner Lehre habe ich den Betriebswirt gemacht und nebenher ein Fernstudium begonnen. In meinem Betrieb war ich im Bereich Finanzen. Als wir eine neue Unternehmenssoftware eingeführt haben, habe ich mir gewünscht, die „Key-User-Funktion“ einzunehmen. Das heißt, die Kollegen im Ausland zu schulen, mit diesen neuen Computerprogrammen klar zu kommen. Ja, und das hat geklappt und ich bin oft in den USA. Ich mache Vorschläge für neue Prozesse, teste sie und schule auch meine Kollegen hier. Diese selbständige Arbeitsweise gefällt mir sehr.

Bist du durch „Ellenbogen-Politik“ die Erfolgsleiter hochgeklettert?

Nein. In meinem Fall hatte ich Glück, dass mir der Job direkt angeboten wurde. Grundsätzlich versuche ich, hilfsbereit zu sein, und ich sehe auch, dass die Leute gerne zu mir kommen, um nachzufragen, wenn sie Probleme haben. Ich will sie auf jeden Fall unterstützen. Obwohl das auch ausgenutzt werden kann.

Christ und Beruf – wie passt das für dich?

Jesus in meinen Job mitzunehmen, ist für mich das Spannendste überhaupt. Ich wünsche mir, dass ich überall mit Jesus lebe, ein Licht in der Welt bin und als Christin erkennbar bin. Das Schwierigste ist aber, wenn schlecht über Kollegen geredet wird. Da möchte ich nicht mitmachen.

Was hilft dir dabei?

Ich erlebe oft, wie unzufrieden die Menschen um mich herum sind. Dabei nehmen sie das Gute für selbstverständlich. Eine wichtige Maxime für mich ist: Dankbar sein. Unser Pastor Simon Tews hat neulich gesagt: „Was du anschaust, wächst.“ Ich will mich auf die guten Dinge konzentrieren und rechne sie Gott zu. Wenn es gut läuft, freue ich mich. Das ist meine „Waffe“, wenn im Job alle mies reden.

Seit wann ist dir Jesus wichtig?

Jesus war schon immer da und ich kann mich an keinen besonderen Moment erinnern, an dem ich mich für ihn entschieden habe. Ich war zehn Jahre alt, als wir mit „Kids in Motion“ Ausdruckstänze einstudiert haben, um zu Gottes Ehre zu tanzen. Das war eine coole Zeit. Wir hatten so viel Spaß, wurden aber auch herausgefordert, ganz mit Jesus zu leben. Dieser Wunsch hat sich in mir auch durch den UFO („Unser Freitag Obend“ – Jugendkreis der CG in den 90ern) vertieft. Die Leiter haben uns mit unbequemen Themen konfrontiert und uns herausgefordert, an alle Bereiche unseres Lebens Jesus ranzulassen. Das war super!

Was fandest du am schönsten im UFO?

UFO-Praise. Diese Lobpreisabende waren megacool. An diesen Abenden haben wir manchmal alle Stühle zur Seite geschoben, uns auf den Boden gelegt und Gottes Gegenwart genossen.

Wie wusstest du, dass Gott da war?

Ich habe mich total geborgen gefühlt und alles, was mich beschäftigt und mir Sorgen gemacht hat, war weg und ich wusste mich nur noch geliebt von Jesus. Öfters haben dann auch meine Freunde erzählt, was sie mit Gott grad erlebt haben. Das hat mich so berührt, wenn sich die anderen geöffnet haben. Dabei ist mein Vertrauen in Gott gewachsen. Plötzlich habe ich kapiert, er will durch meine Freunde und mich handeln und seine Liebe ausbreiten.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich bin aufgewachsen mit den „Ellmensingern“ (ehem. Jugendchor der CG). Ich war bei vielen Proben, Auftritten, Freizeiten dabei mit meinen Eltern, Esther und Friedrich Ratz. Im Grundschulalter habe ich mit Keyboard spielen begonnen. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern mich zum Üben zwingen mussten (vielleicht habe ich das verdrängt ;-). Mein zweiter Keyboard-Lehrer hat mir freies Begleiten beigebracht, also nach Gehör zu spielen. Wir haben da auch geübt, Lobpreislieder zu begleiten.

Das ist sicher schwer, wenn man auf der Bühne steht?

Für mich ist es manchmal eine Achterbahnfahrt. Es macht mir so viel Spaß, die Talente unserer Band auszureizen. Wir schließen uns zusammen und bereiten was richtig Tolles für Gott vor. Das ist ER uns wert. Ganz so, wie wenn ich mir für meinen Mann etwas Besonderes ausdenke, um ihm meine Liebe zu zeigen. Darauf versuche ich mich zu konzentrieren – denn der Musikgeschmack von 200-300 Gästen ist natürlich unterschiedlich. Glücklicherweise haben wir verschiedene Bands, die unterschiedliche Stile haben. Aber meine Liebe zeige ich ihm auch durch kleine Gesten im Alltag. Lobpreis kann darum auch etwas ganz Simples sein. Ob super gut einstudiert oder spontan – das spielt sich nicht gegeneinander aus. Hauptsache, es kommt aus meinem Herzen. Wir möchten Gott mit unserer Musik und unserer Hingabe ehren, weil seine Liebe überwältigend ist. Aber Lobpreis ist nicht auf Musik reduziert, sondern eine Lebenshaltung. Ich möchte ihm mit meinem ganzen Leben eine Freude machen.