Nachgefragt bei Jonathan und kristine Ross

Jonathan und Khristine Ross haben ab September die Leitung der Kinderarbeit übernommen. An die sechzig Kinder zwischen 3 und 13 Jahren kommen jeden Sonntag zum Kindergottesdienst „Schatzinsel“ mit Musik, Theater und altersspezifischen Kleingruppen. Die neuen Leiter können aus einem Pool von 30 Mitarbeitern schöpfen und freuen sich, dass ihnen auch das bisherige Leitungsteam mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.
Jonathan (35) und Kristine (38) sind seit 2000 verheiratet und leben mit ihren drei Jungs Jamie (9), Kian (6) und Dannik (3) in Büchenbronn. Seit Oktober 2008 gehören sie zur CG.

Warum liebt ihr es, mit Kindern zu arbeiten?

John: Wir haben welche und machen das eh jeden Tag! Aber ganz im Ernst, ich möchte mir mein Leben lang an Kindern ein Beispiel nehmen. Denn wenn mein Gebetsleben, mein Bibelverständnis, meine Art, Jesus zu begegnen, eines Tages so kompliziert sind, dass ich sie einem Kind nicht mehr erklären kann, denkt Gott wahrscheinlich: „Warum macht es sich der John so schwer?“ Es ist unsere Verantwortung, auf die jungen Leute zuzugehen und in ihr Leben zu investieren.
Kristine: Aber wir sind auch aus ganz praktischen Gründen in die Kinderarbeit hineingewachsen. Weil John unter der Woche viel unterwegs ist, haben wir überlegt, wo wir mitarbeiten können, ohne von unseren Kindern getrennt zu sein. Da war die Kinderarbeit perfekt: Erstens sind wir als Familie zusammen und zweitens erfüllen wir die wichtige Aufgabe, unsere Kinder geistlich zu begleiten und ihnen von Gott zu erzählen.

Was ist eure Vision für die Arbeit?

John: Für uns ist es das Wichtigste, dass die Kinder verstehen, wie sie das, was sie im Kindergottesdienst gelernt haben, am nächsten Tag praktisch umsetzen können. Wir, als Erwachsene, haben eine geistliche Verantwortung für unsere Kinder und das bedeutet, dass wir sie nicht nur (mit biblischen Inhalten) beschäftigen sollen, während die Großen „ihren“ Gottesdienst besuchen, sondern dass wir ihnen helfen müssen zu verstehen, was das Gehörte mit ihrem Alltag zu tun hat und wie sie ihren Glauben in der Schule oder zu Hause oder auf dem Fußballplatz leben können.
Kristine: Mit Herz, Hand und Verstand. Und dieses „Hand“ willst du betonen.
John: Ja. Ich möchte, dass die Kinder lernen zu beten, dass sie lernen, Jesus im Alltag nachzufolgen. Kindergottesdienst also nicht als Kinderbetreuung, sondern als Jüngerschaftsschule im weitesten Sinne.

Diese Vision müsst ihr dann ja jetzt euren 30 Mitarbeitern irgendwie vermitteln.

John: Genau! Und das ist unsere Hauptverantwortung! Da sehe ich meinen Schwerpunkt. Ich habe an der Bibelschule eine pastorale Ausbildung gemacht und ich sehe meine Verantwortung weniger darin, alles gestalten zu müssen (wenngleich es am Anfang vielleicht so sein wird), sondern darin, die Mitarbeiter zu schulen.
Kristine: Es wird sicher einige Zeit brauchen, diese Vision umzusetzen, denn wir wachsen ja selber erst in die Arbeit hinein. Uns ist wichtig, Leute zu finden, die unsere Vision teilen und die ihren Bereich finden, wo sie sich einbringen können. Denn alleine können wir das Ganze nicht stemmen.
John: Und da denken wir auch und gerade an Eltern! Unserer Erfahrung nach werden Eltern als Leiter einer Kleingruppe von den Kindern problemlos akzeptiert und es entsteht schnell eine vertrauensvolle Atmosphäre. Wenn es uns gelänge, Eltern dafür zu begeistern (keine Sorge, dafür ist praktisch keine Vorbereitung nötig!), wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Wird jetzt alles anders?

John: Ich glaube, es wird keiner irgendetwas merken!
Kristine: Nein, wir wollen das bestehende Konzept ja nicht über den Haufen schmeißen, sondern nur einzelne Bereiche ausbauen. Und zwar nicht, weil wir das so toll können, sondern weil wir jetzt die Möglichkeiten dazu haben. Die Kinderräume oben wurden ganz neu ausgestattet mit einer richtigen Bühne, Beamer, Schlagzeug, jeder Menge Technik! Da kann man in den Bereichen Musik und Theater viel machen, wenn wir die nötigen Mitarbeiter finden.

Du, John, bist in Portland, Oregon (USA) aufgewachsen und mit 18 Jahren nach Deutschland gekommen. Du, Kristine, bist mit 12 Jahren aus Usbekistan nach Pforzheim gezogen. Wie und wo habt ihr euch kennengelernt?

Kristine: 1998 auf dem Bodenseehof in Friedrichshafen, einer Bibelschule der Fackelträger.
John: Ich war frisch angekommen, hatte meine Sachen aufs Zimmer gebracht und wollte mich ein wenig umschauen und die anderen Neuankömmlinge begrüßen. Ich trat auf den Flur, die Herbstsonne schien durch ein großes Fenster im Treppenhaus, und genau in dem Moment kommt Kristine die Treppe herauf. Es sah aus, als hätte sie eine goldene Aura, einen „Halo“ (Heiligenschein). Ich habe sie angestarrt, wir hatten kurz Blickkontakt und dann bin ich gleich wieder auf mein Zimmer gestürzt und habe zu Gott gesagt: „Gott, das ist meine Ehefrau.“ Ich war mir ganz sicher, dass Gott mir das gesagt hatte! Und nach zwei Monaten habe ich ihr das auch erzählt!

Wie hast du darauf reagiert, Kristine?

Kristine: Ich war schockiert und dachte, der ist verrückt oder ein Fanatiker, aber weil sich in der Zwischenzeit so eine tolle Freundschaft zwischen uns entwickelt hatte, fand ich es auch spannend. Aber das mit dem Heiraten war mir dann doch ein bisschen zu viel …

Aber du hast dich offensichtlich auf eine Freundschaft eingelassen.

Kristine: Ja, eine Freundschaft war da. Wir sind oft spazieren gegangen und haben uns unterhalten, was an der Bibelschule grenzwertig war, weil man ja keine Beziehungen führen durfte. Wir waren auch in demselben Musikteam und oft zusammen auf Einsätzen, da haben wir uns natürlich sehr gut kennenlernen dürfen.
John: Und zwei Jahre später haben wir geheiratet.

Ein Amerikaner und eine „Russlanddeutsche“, wie geht das? Prallen da nicht Welten aufeinander?

Kristine: Ja, da prallen schon Welten aufeinander, das stimmt. Wir sind einfach sehr verschieden, nicht nur kulturell, sondern auch von unseren Persönlichkeiten. Aber weil wir so eine enge Freundschaft haben, weil John mein bester Freund ist und umgekehrt, können wir über alle Schwierigkeiten reden. Das war schon von Anfang an so.
John: Wir reden wirklich viel, vielleicht zu viel.
Kristine: Wir sind ja beide Geisteswissenschaftler und fanden kulturelle Unterschiede eigentlich immer interessant. Man muss aber auch streiten können!
John: Richtig gut streiten! Mit Geschirr schmeißen und so! Das haben wir zwar noch nicht gemacht, aber das kommt sicher noch :-)!

Wenn ihr zwei Stunden Zeit hättet, jeder für sich, was würdet ihr machen?

Kristine: Ich lese gerne oder gehe spazieren, einen Kaffee trinken, einfach mal raus aus dem Haus, das entspannt.
John: Ich würde erst eine Stunde joggen und danach spazieren gehen.

Was macht ihr als Familie gern gemeinsam?

John: Am liebsten unternehmen wir etwas, sehen uns eine Stadt an, essen ein Eis, fahren irgendwo hin, wenn es finanziell machbar ist. Wenn die Kinder mitmachen, sind wir auch gerne im Garten und alle helfen beim Unkrautjäten, Rasenmähen, etc. Aber wir reisen auch gerne.

Wohin würdet ihr gerne einmal reisen?

John: Oregon.
Kristine: Die Westküste der USA ist immer ein Ziel von uns, aber ich würde auch gerne mal eine Mississippi-Cruise machen mit einem Zwischenstopp in Alabama. Die Südstaaten sehen, die ganzen Orte von Mark Twain erkunden, das wäre mein Traumziel.