Heiko Volz ist mit Hannah verheiratet. Beide werden in Kürze in das neuen Pastoren – und Hausmeisterhaus in der Wildbaderstraße 18 einziehen. Heiko ist 26 Jahre alt und seit Juli 2012 mit einer 50% Stelle in der CG Ellmendingen als Jugendreferent angestellt. Im Mühlheimer Verband ist er Gast im Pastorenanwärterkreis. Heiko Volz hat für die CG einen visionären Begriff geprägt, der momentan in aller Munde ist: das missionarisch-kulinarische Konzept. Christiane Ratz hat sich mit ihm darüber unterhalten.

Heiko, woher kommt dieser Slogan vom missionarisch-kulinarischen Konzept für die CG?

Eine Gemeinde muss die Antwort sein, auf ein Bedürfnis aus der Gesellschaft, in deren Umfeld sie angesiedelt ist. In der Gemeinde, sind Menschen mit Gaben, die diese Antwort mit Leben füllen. In der CG sind sehr viele gastfreundliche Menschen. Auch das neue Gemeindezentrum ist sehr gastfreundlich konzipiert. Die Gemeinde möchte, dass hier Menschen ganzheitlich die Freundlichkeit Gottes erleben können. Und bekanntlich geht Liebe ja durch den Magen .. Und warum kann Gottes Liebe und Freundlichkeit aussenstehende Menschen nicht auf dieser Ebene zuerst erreichen?

Du möchtest also Menschen mit Gastfreundlichkeit erreichen?

Auch wenn du gleich die „Du-Form“ wählst und es im Interview um meine Gedanken geht, will ich deutlich machen, dass es bei diesem kulinarisch-missionarischen Konzept kein „DU“, sondern nur ein „Wir“ gibt – und das von Anfang an. Der Begriff kam mir spontan bei einer Besprechung. Doch ein Begriff allein hat keinen einzigen Wert. Er muss mit Gedanken und Visionen und schließlich mit einer Umsetzung gefüllt werden. Und bei diesem spannenden und herausfordernden Part gliedere ich mich ganz schnell in ein Reihe von Leuten ein, die dabei kräftig mitgewirkt haben.

Ok, nun zurück zu deiner „Du“-Frage: Ich möchte dass die CG eine offene Gemeinde wird, die ihre Räumlichkeiten nach außen öffnet. Das im September eröffnete sonntägliche Café W18 und die Ende Oktober eröffnete Stielbar tragen dazu bei. Bei uns sollen die Menschen einen Ort vorfinden, wo sie ankommen können.

Aber das könnten sie doch auch im Gottesdienst?

Das tun manche sicherlich auch, aber für andere ist ein Gottesdienstbesuch sehr weit weg. Wie zum Beispiel für meine Kollegen aus dem Löwen.

Du arbeitest nicht nur als Jugendreferent in der CG, sondern auch noch zu 50% im Gasthaus Zum Löwen in der Ortsmitte von Ellmendingen, als Koch. Wie lassen sich diese beiden „Arbeitsplätze“ miteinander verwirklichen?

Als Koch arbeite ich hauptsächlich vormittags, da wir zum einen einen Mittagstisch anbieten und zum anderen viele Kunden haben, die ihr Mittagessen mit nach Hause nehmen. Und als Jugendpastor (what ever) bin ich dann am Abend und am Wochenende für die Jugendlichen da.

Wie kamst Du dazu Koch zu werden, kochst Du besonders gerne?

Ich habe mich gerne bei meiner Mutter in der Küche aufgehalten, von daher ist es vielleicht auf einen Tipp ihrerseits zurückzuführen. Zuhause koche ich nicht besonders gerne und habe auch nicht so eine Leidenschaft für’s Kochen, wie z.B. ein Kollege von mir, der Zuhause diverse Gerichte ausprobiert. Was ich mag, ist die Großküchenatmosphäre und im großen Stil für Events zu kochen.

Welches Gericht isst Du am liebsten und welches kochst Du am liebsten?

Ich mag es gerne deftig, aber jetzt nichts spezielles. Bei mir muss es möglichst schnell und einfach gehen. Mit einer Fertigpizza habe ich absolut keine Probleme. Ansonsten bereite ich gerne Fleisch zu. Rehrücken oder Rumpsteak – etwas Anspruchsvolles, wozu man Gefühl braucht.

Da Du ja nicht nur toll kochen, sondern auch gut reden kannst, hättest Du doch auch eine Karriere als Showkoch anstreben können;-)?

Ich mache mir keine Gedanken um Karriere. Viel Geld zu verdienen, gehört nicht zu meinen Lebenszielen. Als Vollzeitkoch haben mich schon immer die ungeschickten Arbeitszeiten abends und am Wochenende gestört. Deshalb habe ich mich nach der Ausbildung in eine andere Richtung orientiert und beim CVJM ein Orientierungspraktikum gemacht. In einer Freizeitstätte habe ich gekocht und Andachten gehalten.

Vom Koch zum Pastor – das ist doch schon etwas ungewöhnlich, oder?

Als Kind wollte ich Evangelist werden. Ich habe den Puppen gepredigt, während meine Schwester Kinderstunden für sie gehalten hat. Durch meine Uropas Krust und Keller sind ja schon hier in Ellmendingen Menschen zum Glauben gekommen und Opa Keller war auch Prediger …

Ein typisches „Berufungserlebnis“ habe ich jedoch keines. Es gab während meiner Orientierungssuche Menschen (Daniel Tollot, Jens Diefenbacher, Doro Reufels, bei MOVE u.v.m.) um mich herum, die mir meine Begabungen widergespiegelt haben. Ich bin auf das IGW (Institut für Gemeindebau und Weltmission) aufmerksam geworden. Das Wort „praktisch“ hat mich angezogen. Dort habe ich den Bachelor in praktischer Theologie gemacht.

Aber den Koch konntest du nun doch nicht ganz lassen?

Ich will mich nicht nur im Gemeindekontext aufhalten. Ich finde es gut einen Alltag zu haben – so wie die anderen Menschen in der Gemeinde auch – also den Leuten, zu denen ich in der ein oder anderen Art predige. Das war auch der IGW-Slogan: „Mitten im Leben…“. Ich möchte Christ-Sein im Alltag und in der Gemeinde. Mir gefällt die Abwechslung. Ich bin gerne mit meinen Kollegen zusammen, die keine Ahnung haben, wer Jesus ist.

Möchtest Du sie bekehren?

Nein. Ich möchte aber, dass sie Jesus kennenlernen. Das ist für mich ein wichtiger und wesentlicher Unterschied.

Warum? Was bedeutet Dir Jesus?

Zur Bekehrung kann nur Gott sie führen. Außerdem hat das Bekehren wollen, für mich einen zwanghaften Tatsch. Ich möchte jedoch vielmehr, dass die Menschen Jesus kennenlernen und dann selbst merken, dass sie ihn brauchen. Hier und heute. Daher will ich nicht mehr sein, als uns Gott zugedacht hat. Ich will nicht mehr sein als Licht und Salz. Ich will nicht mehr als ein Schaufenster von seiner Freundlichkeit sein. Ich will nicht mehr, als auf Jesus hinweisen. Ich möchte durch mein Leben aufzeigen, was Jesus mir bedeutet. Der Glaube bietet mir einen solchen Reichtum. Er gibt mir einen unvergleichlichen Halt. Und ohne Jesus verpasse ich, wozu ich geschaffen wurde.

Haben Dir das Deine Eltern beigebracht?

Natürlich habe ich durch meine Eltern Jesus kennengelernt. Aber ich bin überzeugt, dass niemand an dem Punkt vorbei kommt, wo er sich selbst für Jesus entscheiden muss. Als ich damals meine Lehre als Koch begonnen habe, wurde ich mit einer ganz anderen Welt konfrontiert. Vor allem Alkohol, Drogen waren ein Thema. Ich konnte nur noch selten zum Gottesdienst kommen und immer erst nach 22 Uhr traf ich im Jugendkreis ein. Hätte ich da nicht Freunde, wie zum Beispiel Daniel Tollot gehabt, wäre ich abgestürzt. Es gab viele Kämpfe, aber ein Erlebnis werde ich nie vergessen. Ich hatte auf einem Fest einen über den Durst getrunken. Mein Bruder Ingo, mit dem ich mich nicht immer so gut verstanden habe, und Freunde haben mich bis zu meiner Zimmertür nach Hause gebracht. Mein Bruder Ingo hat mir dann seinen Arm um meine Schultern gelegt und zu mir gesagt: „Heiko, egal, welchen Mist Du baust, ich habe Dich lieb und werde immer für Dich da sein.“ Das hat bei mir eingeschlagen. Und das war eine durchgängige Erfahrung. Ich wusste hier hast Du Freunde, die 100% zu Dir stehen. Nach vielen Kämpfen und Bekehrungserlebnissen und Zweifeln, weiß ich heute mit Gewissheit: Ich bin ein Kind Gottes.

Meine Karriere ist Jesus, denn der Glaube an ihn ist für mich „Angekommensein“.

Beeinflussen diese Erlebnisse heute Deine Sicht vom Umgang mit den Jugendlichen?

Während meinen ganzen „Auf- und Ab’s, war die Erfahrung, dass ich in der Jugend mithelfen konnte sehr wichtig für mich. Ich wusste, ich bin „brauchbar“. Deshalb hole ich die Jugendlichen früh in die Mitarbeiterschaft. Ich möchte die Begabungen und das Potential der Jugendlichen fördern. Und sie in den Bereichen entlasten, wo es schwierig für sie ist.

Steuerst du irgendwelche Ziele an, hast du ein Konzept?

Es gibt Ziele und auch ein Konzept. Entscheidend dabei ist, dass wir die Jugendlichen nur eine gewisse, dafür aber entscheidende Phase ihres Lebens begleiten. Nach ein paar Jahren kann es sein, sie treiben sich irgendwo anders in der Welt herum. Daher möchte ich ihnen etwas mitgeben, dass ihr ganzes Leben prägen soll. Sie sollen Jesus kennenlernen und ihr Lebenshaus auf ihn bauen. Dabei ist es entscheidend, dass sie Jesus schmecken. Ich sage, es bringt nichts, wenn ich von der genialsten Pasta schwärme, aber sie nicht probiere.

Wie willst Du das hinkriegen?

Jesus ist das Fundament meines Lebens. ER ist alltagstauglich. Ich möchte leben, was das bedeutet. Meine Messages sollen davon geprägt sein. Außerdem haben wir eine Jahresplanung aufgestellt, die dieses Ziel verfolgt. Alles bei Interesse nachzulesen.

Paar Dinge aus dem Stehgreif: Als ich in die Jugend gekommen bin, habe ich schnell festgestellt, dass es zwar Cliquen gibt, aber die Gemeinschaft unter den Jugendlichen noch gefördert werden kann. Also sind mir Gemeinschaftsfördernde Elemente wichtig. Wir planen regelmäßige Lobpreisabende ein, mit zum Beispiel Gebetsspaziergängen. Dann haben wir Kleingruppen, die wir immer wieder durchmischen. Ab und zu wollen wir uns auch von Gemeindegliedern einladen lassen. Diese Aktion nennt sich „That’s Life“. Die Jungen sollen bei älteren Christen sehen, wie das mit Jesus zu Hause aussieht …

Gibt es ein Buch, das Dir maßgeblich weitergeholfen hat in Deinem Leben mit Jesus?

In der Anfangszeit unseres Studiums mussten wir von Gordon McDonald „Ordne dein Leben – Getrieben oder Berufen“ lesen. McDonald zitiert den Sprüche 4, 23: Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt alles Leben.“ Weiter führt er aus, dass z. B. ein U-Boot ruhig durch feindliches Gewässer gesteuert werden kann, wenn auf der Kommandozentrale alles in Ordnung ist. Die Frage ist also, ist auf der Kommandozentrale meines Lebens (das Herz) alles in Ordnung? Die Frage war also, wieviel Energie wende ich täglich auf, um die Kommandozentrale in Ordnung zu halten. Ich habe es mir zur Lebenshaltung gemacht, dass ich mich um mein Herz kümmern muss, auch wenn es kein anderer mitbekommt – das ist für mich nicht so einfach, weil ich doch noch sehr stark von Anerkennung für das was ich tue abhängig bin. Der Ausblick den McDonald gibt, ist wunderbar. Durch das Sorgen um dein Herz, gibst du Gott die Möglichkeit dich verändern zu lassen und du wirst merken, wie du langsam dein Leben nicht mehr als Getriebener, sondern als Berufener gestaltest.

Was hat sich dadurch verändert?

Ich war sehr von Leistungsdenken geprägt. Inzwischen weiß ich, dass Gott mich nicht mehr liebt, wenn ich mehr leiste. Weißt du: Gott liebt dich niemals mehr, als er es in diesem Augenblick tut. Außerdem war ich sehr Sünden fixiert (ich möchte hier Sünde nicht locker reden). Doch ich war davon geprägt, Gott zu gefallen. Ihm nachzufolgen. Ihm alles recht zu machen. Und daher auch so wenig wie möglich zu sündigen. Wenn ich dann doch mal wieder (ja, täglich) gesündigt hatte, fiel ich schnell in Selbstmitleid und Selbstverachtung. Ein verheerender Kreislauf. Hier half nur Gottes Sicht der Dinge: Als ich von neuem geboren wurde, hat sich meine Stellung vor Gott verändert. Ich bin nicht mehr geliebt. Ich bin aber nun nicht mehr außerhalb der Familie Gottes, sondern ich gehöre seit dem dazu. Ich bin Kind Gottes auch wenn ich weiter sündigen werde. So schlimm es sich anhört. Ich tue es dann dennoch als Kind Gottes. Deshalb muss ich mich nicht mehr länger auf meine Sünden konzentrieren, sondern ich konzentriere mich ausschließlich auf Jesus. Das hat mich Frei gemacht.

Schlussendlich hat es dazu geführt, dass ich nicht weiß, was ich ohne Jesus machen sollte. Er ist mein Sinn, mein Zuhause, meine Kraftquelle, mein Leben.

Dankeschön Heiko, für Deine ehrlichen Antworten!