Nachgefragt bei Monika und Fritz Ratz

Monika und Fritz sind aus dem Gemeindeleben der CG nicht wegzudenken. Die beiden wohnen in Ellmendingen und sind bald 35 Jahre verheiratet. Sie haben 5 Kinder und 2 Enkeltöchter.

Was macht ihr außerhalb der CG, welche Berufe habt ihr?

Monika: Ich habe Krankenschwester gelernt und bis zum ersten Kind in diesem Beruf gearbeitet. Weil ich mir nur schwer vorstellen konnte, Familie und Job unter einen Hut zu bringen, habe ich mich entschieden, für die Kinder da zu sein.

Fritz: Ich arbeite als Modellbauer in Nöttingen. Das hat sich damals einfach so ergeben.

Monika, ich erlebe dich immer als »Powerfrau« – gibt es auch Phasen, in denen du absolut nichts tust?

Die gibt es durchaus – ich kann z.B. stundenlang in einem Heftchen blättern – aber nur so in den Liegestuhl liegen, das könnte ich wirklich nicht.

Wer viel powert braucht aber auch Ruhepole …

Die habe ich, da ich mir meine Zeit frei einteilen kann. Mir schreibt niemand vor, was ich wann zu tun habe. Außerdem habe ich wenig Termine und ab 20 Uhr halte ich dann meinen Feierabend konsequent ein.Tagsüber kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen – egal, ob ich nebenher gerade putze. Mich entspannt es auch zu laufen, im Garten zu sein oder zu lesen.

Fritz, du dagegen strahlst eine gewisse Ruhe aus, die nichts so leicht erschüttern kann – ist das so?

Ja, im großen Ganzen schon.

War das schon immer so?

Wenn ich nach Feierabend im Garten und auf den Weinbergen noch nach dem Rechten geschaut habe, mache ich es mir gemütlich und lese gern – viel läuft dann nicht mehr. Vom Gemüt her bin ich allerdings nicht unbedingt immer so ruhig gewesen. Als Kind war ich eher aufgeregt und manchmal jähzornig– es steckt also schon was in mir, aber das versuche ich in Schach zu halten und lasse mich nicht unnötig herausfordern.

Hattet ihr bei euren Kindern immer die nötige Ruhe oder hat es euch auch herausgefordert?

Monika: Mich auf jeden Fall.

Fritz: Hauptsächlich eines unserer Kinder konnte zeitweise recht stur sein – das fordert einen.

Monika: Als wir begriffen haben, dass man es nicht ständig auf Machtkämpfe anlegen sollte, wurde es zum Glück ruhiger.

Aber ihr habt fünf tolle Kinder…

Monika: Das ist kein Verdienst – das war einfach so.

Fritz: Ein Geschenk eben.

Monika: Vielleicht auch ein bisschen Verdienst, aber niemand hat es in der Hand. Es ist ja nicht so, dass man keine Fehler macht.

Wer von euch beiden war strenger mit den Kindern?

Monika: Ich, weil ich sie den ganzen Tag hatte (Fritz stimmt dem sofort zu).

Fritz, und du stehst hinter allem, was sie durchgesetzt hat?

Fritz: Sagen wir mal, im großen Ganzen schon – denn ich bin zufrieden, so wie es ist .

Monika: Er wehrt sich auf jeden Fall selten….

Ihr seid mit euren Kindern aus dem Gröbsten draußen. Was könnt ihr jungen Familien mit auf den Weg geben?

Man muss mit den Kindern immer im Gespräch bleiben und lernen, eine gewisse Gelassenheit zu entwickeln. Man sollte sich nicht wegen jeder Kleinigkeit aufregen oder vor jeder Kleinigkeit Angst haben. Auch der Kontakt zu anderen ist wichtig.

Hattest du diese Gelassenheit schon immer?

Das muss sich entwickeln, das lernt man. Man hat ja keine 5 Kinder auf einmal.

Ist Glaube dabei eine Hilfe?

Monika: Er ist mir eine Hilfe, weil ich Richtlinien habe, die mir die Erziehung erleichtern. Und wenn man selbst einen sicheren Stand hat, lässt man sich nicht von allem gleich umwerfen. Beim Frauenfrühstück habe ich mal ein Bild mitbekommen: Eine dicke Eiche steht sicher, auch wenn die Wildsau sich daran reibt. Gerade mit Teenagern kann dieses Bild helfen.

Fritz: Der Eiche macht das ja nichts aus.

Monika: Kinder brauchen Eltern, an denen sie sich reiben können und wir sollten lernen, das auszuhalten – darum sind manchmal ja auch Reibereien nötig.

Fritz: Auch für mich ist Glaube sehr wichtig. Aber ihn den Kindern aufzuzwingen, wäre falsch. Sie müssen ihren eigenen Weg finden. Man kann zwar Dinge vorgeben, aber man sollte sie besser vorleben. Glaube fordert die eigene Entscheidung der Kinder. Kinder bleiben Kinder, egal, wie diese Entscheidung ausfällt. Viele Dinge liegen nah beieinander und ein kleiner Schritt hätte in eine ganz andere Richtung führen können. Vieles ist einfach Gnade.

Gibt es einen Vers, der euch immer wieder begegnet ist in eurem Leben?

Monika: Bei mir ist es das Bild vom Baum, dessen Wurzeln am Wasser sind.

Fritz: Unser Trauspruch…

Monika: Dieses Bild zeigt mir, dass der Baum nicht bei jeder Gelegenheit in Gefahr ist, wenn die Wurzeln da sind, wo sie hin gehören.

Fritz: Und er bleibt grün… Mir persönlich wurde der Vers »Siehe, ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende« wichtig. Das Bewusstsein, dass ER immer da ist, hilft mir durch den Tag und nimmt mir manche Last.

Monika, wie setzt du das mit den Wurzeln am Wasser im Alltag um?

Da gibt es kein Rezept, es ist das Wissen, wo das Wasser zu finden ist. Und das kann unterschiedlich sein. Mal ist es Gebet, mal Stille Zeit… aber es ist immer da. Auch Gemeinschaft und Austausch mit anderen ist mir da wichtig. Sehr profitiert habe ich immer vom Frauengesprächskreis.

Worin ergänzt ihr zwei euch?

Fritz ist ja recht ruhig, aber auch bequem. Er macht alles mit, hat auch Ideen, aber organisieren und planen muss ein anderer. Ich bin zwar auch nicht unbedingt jemand, der gern organisiert, aber bei uns muss ich es halt übernehmen, so ergänzen wir uns. Ich wollte immer eine Frau, die lebendig ist, lebensbejahend, zugreifend und praktisch – weil ich selbst ja etwas bequemer bin. Es ist ganz gut, wenn der andere einen ab und zu anstößt.

Monika, du bist von der Schatzinsel gar nicht weg zu denken – seit wann bist du dabei?

Eigentlich schon seit meiner Einsegnung. Mit den Kindern habe ich dann pausiert und bin wieder eingestiegen, als Jonathan drei war. Als Mitarbeiterin werde ich der Schatzinsel noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Was die Leitung angeht, muss man einfach mal schauen, wie das ab nächstes Jahr wird, wenn Fritz in Rente geht.

Wenn ihr euch auf ein Wort beschränken müsst, ist Gott für euch, wie….?

Fritz: Ein guter Vater!

Monika: Ja, wenn man es auf eine Sache festlegen möchte, dann der gute Vater.

Fritz: Viele beschränken Gott ja darauf, dass er Gesetze einfordert – aber so ist er nicht. Die Gebote sind Richtlinien, damit das Leben gelingt. In dem Wort »Vater« ist viel von Gottes Wesenszügen enthalten.

Vielen Dank, dass Ihr mir eure Zeit für dieses Gespräch geschenkt habt.