Ein schwerer Radunfall kostete Nelly Kraßnitzer im Frühjahr 2014 beinahe das Leben oder zumindest das bisher geführte Leben. Jetzt, ein halbes Jahr später, ist sie äußerlich weitgehend wiederhergestellt – für ihre Ärzte ist das ein Wunder! Trotzdem spürt sie und auch ihr Mann Hans-Peter, dass sie beide immer noch traumatisiert sind.

Doch gemeinsam will das unterschiedliche Paar es schaffen: Nelly, 53, in Sibirien geboren, Flugzeugingenieurin und Tanzlehrerin, und Hans-Peter, 48, Österreicher, in Gräfenhausen aufgewachsen, Landschaftsgärtner, Grundschullehrer, Straßenmusiker und ehemaliger Hippie, sind seit sieben Jahren verheiratet. Zu ihnen gehören zwei Töchter, zwei Söhne, zwei Enkelsöhne und ein Hundebaby.

Was hat sich durch eure Partnerschaft bei euch verändert?

Nelly: Seine Treue und Geduld hat mich auch treuer und geduldiger gemacht. Außerdem bin ich froh, dass er meine Kinder liebt und zu ihnen steht, als wären es seine eigenen.

Hans-Peter: Ich bin wesentlich optimistischer geworden. Sie strebt einfach immer nach vorne. Jetzt packe ich Neues viel entschlossener und mutiger an. Das finde ich echt gut!

Nach Nellys Sturz mit dem Fahrrad am 22. April 2014 lag sie wochenlang im Koma.

Hans-Peter, da hast du allen Optimismus gebraucht! Wie hast du diesen Tag in Erinnerung?

Hans-Peter: Nach einer abschüssigen Stelle machte der Weg unerwartet eine scharfe Kurve. Nelly fuhr hinter mir und muss wohl in dieser Kurve gebremst haben. Ich hörte sie stürzen, sprang sofort vom Rad und rannte zu ihr. Zuerst sah es nicht schlimm aus, sie blutete lediglich etwas an der Schläfe. Doch dann sprach sie immer undeutlicher und übergab sich mehrmals. Kurz hintereinander kamen zwei Radfahrer, die uns geholfen haben, den Notarzt zu rufen. Nach etwa einer Stunde war Nelly auf dem Weg ins Krankenhaus. Erst später realisierte ich, was passiert war. Dann lag sie wochenlang im Koma und wir konnten von da an nur Tag um Tag nehmen.

Was half dir?

Hans-Peter: Nelly hatte ein Buch von Monika Flach auf dem Küchentisch liegen lassen: „Handbuch für Überwinder“. Dort las ich, dass es unser Auftrag als Kinder Gottes ist, die Wahrheiten Gottes zu proklamieren.

Und dann die Gebete … nach einem Gebet der Ältesten an ihrem Bett nahm ihre Genesung eine positive Wende.

Welche Zeit habt ihr als besonders kritisch erlebt?

Hans-Peter: Die Aufwachphase. Nelly war klar im Kopf, konnte aber nicht sagen, ob es ihr kalt war, ob sie Schmerzen hatte usw. Da sie nicht sprechen konnte, gaben wir ihr ein Blatt Papier, aber alles, was sie schrieb, war unleserlich.

Nelly: Seither ist mir ganz wichtig, klar und deutlich zu kommunizieren. Schon vor dem Unfall gab es manchmal Missverständnisse zwischen uns. Jetzt frage ich immer nach und vergewissere mich, dass Hans-Peter mich richtig verstanden hat.

Hans-Peter: Schon als junger Mann wollte ich bei Problemen am liebsten davon laufen. Während Nellys Zeit im Krankenhaus haben wir für sie getan, was wir konnten. Wenn wir so handeln, sollen wir uns um das Weitere keine Sorgen machen, „denn Gott sorgt für uns.“

Wann hast du das „richtige“ Sorgen gelernt?

Hans-Peter: Als junger Mann tingelte ich fünf Jahre durch Frankreich, Spanien, Holland, Kanada und habe mich mit Musik machen durchgeschlagen. Und da habe ich erlebt: Gott versorgt mich, obwohl mir einmal mein Pass und ein anderes Mal meine Klamotten geklaut wurden. Meine täglichen Einnahmen reichten meistens für Übernachtung und Essen. Sicherheiten, die man sich selbst schafft, tragen eh nicht.

Nelly: Es ist ein ganz klarer Befehl, den Jesus uns gegeben hat: Sorgt nicht! Er hat nicht gesagt: Ihr solltet euch möglichst keine Sorgen machen… Dies zu verstehen und zu leben, hilft sehr.

Wie wichtig ist Musik euch?

Nelly: Ich habe schon mein ganzes Leben lang musiziert und getanzt. Zuerst hatte ich Ballettunterricht. Ohne Tanzen ist mein Leben unvorstellbar. Weil meine Eltern wollten, dass ich was „Richtiges“ lerne, habe ich in Moskau Flugzeugingenieurin studiert. Aber nebenher habe ich auch dort Tanzunterricht genommen und gegeben. 1980 tanzte ich bei der Eröffnung der Sommerolympiade in Moskau. In Deutschland habe ich dann meine eigene Tanzschule eröffnet.

Als Christen sind uns gemeinsame Anbetungszeiten ganz wichtig – da erleben wir Gottes Nähe und das prägt uns.

Wie kam der Glaube an Jesus Christus in euer Leben?

Nelly: Ich bin zweimal geschieden und lebte für eine Zeit mit einem Mann zusammen, der Esoteriker war. Eines Tages geriet er, ohne es zu wollen, auf einer Esoterikmesse in einen christlichen Vortrag. Von da an, war er 100% überzeugt von Jesus. Aus Liebe zu ihm begann ich Bibel zu lesen. Ich hatte keinerlei religiöse Vorbildung oder Vorbehalte, trotzdem sagte mein Kopf immer nein, aber mein Herz zog mich mit ihm in den Gottesdienst.

Was hat dich von Gottes Realität überzeugt?

Nelly: Von Klein an hatte ich große Angst vor dem Tod – ich hatte regelmäßig Angstattacken. Auf einer Gemeindefreizeit wollte ich die Christen besser kennenlernen. Aber ich litt dort wieder unter dieser Todesangst und konnte kaum schlafen. Ich bat sie, für mich zu beten. Und es wirkte! Nachdem ich ein halbes Jahr keine Angstattacken mehr hatte, war ich überzeugt: Zu diesem mächtigen Gott will ich gehören!

Hans-Peter: Meine erste Frau starb an Leukämie. Wir suchten Hilfe bei homöopathischen und esoterischen Therapien, aber nicht bei Gott. Als Nelly und ich uns kennenlernten, nahm sie mich mit zu den Gottesdiensten im Christlichen Zentrum Karlsruhe. Die Gottesdienste waren mir fremd. Aber ich dachte, wenn Nelly sich hier wohlfühlt, muss es gut und richtig sein. Ich entdeckte, diese Leute sind vernünftig und sie leben, was sie glauben. Nach vier Wochen gab ich dann mein Leben Jesus.

Fiel es dir schwer, während deiner Genesungsphase unter Menschen zu gehen?

Nelly: Als Kinder Gottes wissen wir, dass wir wunderschönen, vollkommenen Schmetterlingen gleichen. Wir sind vollkommen erlöst – auf der anderen Seite leben wir das oft so wenig. Während meiner Krankheit habe ich mich wahrlich nicht als Schmetterling gefühlt. Auch die anderen um mich herum konnten mich nicht so sehen, denn ich war gerade in einer „Raupenphase“. Aber ich weiß, ich bin ein Schmetterling und ich werde wieder tanzen. Und das gilt für uns alle.