Simone und Jürgen Köhler wohnen mit ihren drei Jungen (Joshua, Aaron und Elias) in Königsbach. Sie sind seit Mai 1993 verheiratet. Seit fast zwei Jahren besuchen sie die Christliche Gemeinschaft in Ellmendingen. Um am Gemeindeleben (Gottesdienst, Royal Rangers, Teeniebibelschule, Stielbar usw) teilnehmen zu können, fahren sie mehrmals in der Woche knapp 15 Minuten nach Ellmendingen. Und das machen sie gerne.

Ihr nehmt diese Strecke gerne in Kauf, wieso?

Simone: Unsere Kinder kommen sehr gerne hierher und haben inzwischen gute Freunde gefunden. Ich fühle mich grundsätzlich sehr wohl. Ich spüre, dass die Gemeinde durch das Gebet getragen ist. Besonders freut mich, dass man sich gegenseitig ermutigt und dass es neuerdings auch Lobpreisabende gibt.

Jürgen: Mir gefällt der Umgang untereinander, der Lobpreis, besonders wenn man spürt, dass Anbetung und nicht Performance im Mittelpunkt steht, und das wechselnde Predigtangebot.

Wo habt ihr vorher den Gottesdienst besucht?

Seit unserer Jugend gehörten wir zur evangelischen Kirche in Königsbach und haben uns in der Jungschar, bei Jugendgottesdiensten und im CVJM engagiert. Es war uns immer wichtig, hier vor Ort unseren Glauben zu leben und Menschen zu Gott einzuladen.

Und das hat sich geändert?

Nein, wir möchten immer noch die Menschen, mit denen wir zu tun haben, mit Jesus bekannt machen.

Warum?

Jürgen: Jesus ist das Zentrum meines Glaubens. In einer Lebenskrise habe ich als Jugendlicher zu Jesus gefunden. Er ist mein König, für den ich alles gebe und alles tue, denn er hat für mich alles gegeben! Mein Lebensmotto heißt: »Fight for God« – ich will für Gott kämpfen.

Wow, das hört sich ungewöhnlich an. Wie sieht das praktisch aus?

Jürgen: Ich biete im CVJM in Königsbach Taekwondo, X-Do (Kampfsport-aerobic) und KravMaga (israelisches Verteidigungssystem, das in der Armee zum Überlebenstraining gehört) an. Als Trainer sehe ich, dass viele Mitsportler auf der Suche nach Erleuchtung und Erlösung sind. Wenn sich jemand seinen nächsten Gürtel verdienen will, dann vermittle ich ihm natürlich die technischen Inhalte, aber ich rede auch über Jesus.

Was fasziniert dich an diesem Sport?

Die realistische Selbstverteidigung und die Eleganz in der Bewegung finde ich genial. Und zum anderen ist es ein super Ausgleich zu meinem Beruf und zum Abbau von Stress!

Was machst du beruflich?

Ich habe als Kind immer davon geträumt, zur Polizei zu gehen. Leider hat sich meine Sehstärke damals so verschlechtert, dass ich diesen Traum begraben musste. Auf Zureden meines Vaters, der auch Krankenpfleger von Beruf ist, habe ich mich zu einem Pflegepraktikum entschlossen. Und das hat echt Spaß gemacht. So bin ich Krankenpfleger und Rettungsassistent geworden. Heute leite ich als Intensivpfleger die Überwachungsstation im Siloah, was mir immer noch total gefällt.

Simone, du sagst, dass du ein Herz für die Jugend hast.

Ich bin sehr gerne mit jungen Menschen zusammen. Mit ihnen zu quatschen und Spaß zu haben, ist einfach toll! Ihnen zu vermitteln, dass wir einen himmlischen Vater haben, der uns ein überfließendes Leben geben will, macht mir Freude!

Du hast Pädagogik studiert und unterrichtest an der Grundschule in Enzberg.

Simone: Eigentlich wollte ich Sozialarbeit studieren, aber ein Lehrer in der 12. Klasse hat mir geraten, Lehrerin zu werden. Unterrichten konnte ich mir zuerst nicht vorstellen, gehört aber inzwischen zu meiner Leidenschaft.

Was ist dir dabei wichtig?

Ich versuche, »meine« Kinder zu ermutigen, wo ich kann. Bevor ich ihnen zum Beispiel eine Arbeit zurückgebe, erkläre ich immer, dass jeder wertvoll ist, unabhängig von seinen Noten.

Was fordert euch gerade sehr heraus?

Simone: Wir sind überzeugt davon, dass Gott immer da ist und sich auch um unsere Kinder kümmert. Aber immer ruhig zu bleiben, wenn nicht alles läuft, wie erhofft, und sich zurückzunehmen, weil man vertrauen möchte, dass Gott sich darum kümmert, ist oft schwer.

Vor einigen Jahren hatte Jürgen eine Hirnhautentzündung und Joshua wurde ein paar Tage später mit derselben Diagnose ins Krankenhaus eingeliefert. Wie habt ihr diese Zeit überstanden?

Simone: Als ich mitten in der Nacht wach wurde und mit Joshua ins Krankenhaus musste, habe ich von Gott gehört, dass wir diese Zeit unbeschadet überstehen würden und alles gut werden würde. Ich dachte, naja, egal, was jetzt kommt, in zwei Wochen ist alles überstanden.

Aber es kam anders?

Simone: Zwei gesunde kleine Jungs, einen kranken Jungen und einen kranken Mann zu versorgen, war ein echter Überlebenskampf. Aber ich wusste immer, dass Gott da ist und über uns wacht. Auch als es länger dauerte und Jürgen mit erheblichen Sprach- und Koordinationsschwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Jürgen: Als ich wieder fit war und entlassen wurde, erfuhr ich von meinem Arzt, dass evtl. Sprachstörungen auftreten könnten. Tatsächlich verlor ich dann einen Großteil meines Sprach- und Erinnerungsvermögens und musste neu Sprechen und Laufen lernen.

Warst du damals je hoffnungslos?

Nein, Aufgeben ist für mich nie eine Option! Schon vor meiner Erkrankung hatte ich eine Reise nach Israel gebucht, um das Selbstverteidigungssystem Krav Maga besser kennenzulernen. Obwohl Simone es für unrealistisch hielt, dass ich nach Tel Aviv fliege, habe ich an meinem Plan festgehalten. Ich konnte noch nicht richtig frei laufen, gut sprechen und musste ständig erbrechen, aber als ich zurück kam, war ich wieder völlig fit.

Simone, im April ist dein Vater ziemlich überraschend verstorben. Zwei Tage lag er im Koma. Aber du wusstest, dass er dich trotzdem hört und hast mit ihm gebetet. Durch einen sachte Händedruck, warst du dir sicher, dass er in seinen letzten Lebensstunden Jesus als Retter angenommen hat.

Simone: Kürzlich überkamen mich doch Zweifel und ich bat Gott, mich zu trösten oder mir zu zeigen, ob mein Vater im Himmel ist. Einige Zeit später erzählte mir Aaron von einem Traum. Jesus hatte ihm darin erlaubt, einen Blick in den Himmel zu werfen. Durch eine Luke sah er eine wunderschöne Wiese, auf der sein Opa herumlief und auf Bäume kletterte. Was Aaron nicht wusste, war, dass sein Opa immer ein »Bäumekletterer« war!

Was erfüllt dein Herz, wenn du an Jesus denkst?

Gott ist mein Vater, der mich bedingungslos liebt. Das Beste, das wir uns vorstellen können, kann bei Gott noch getoppt werden!

Danke, Simone und Jürgen, dass ihr es ausgehalten habt, dass wir euch auf den Zahn fühlten!