Stört dich das Kreuz? oder Schau auf Jesus!

Das waren die Auftakt-Worte zur ersten Vergebungs-Predigt von Simon Tews am 13.10.2019.

Aus der Menschheitsgeschichte ergibt sich folgende Entwicklung: Früher war Blutrache üblich, damit verbunden Strafen, die über das Maß des zu vergeltenden Schadens weit hinausgingen. Vor diesem Hintergrund  war das Gesetz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ vor 3000 Jahren mit seinem 1:1-Strafen-Prinzip eine Revolution. Und vor 2000 Jahren gab Jesus das Gesetz der Liebe heraus: „Liebt eure Feinde! Vergebt den anderen ihre Schuld! Und halte, wenn du zu Unrecht geschlagen wirst, auch deine andere Backe hin.“

Thema: Ein Lebensstil, der von Vergebung lebt

Empfehlung: Rege dich nicht über mich auf, sondern schaue auf Jesus. Denn Gott sagt: „Die Rache ist mein.“ Vielmehr überwinde das Böse mit Gutem.

Streit kommt in der Regel aus Meinungsverschiedenheiten, in denen jeder auf seiner Sicht verharren will. Bei Krisen in der Ehe und unter Nachbarn ist die Ursache die Rechthaberei und die mangelnde Sicht auf Jesus. Ergebnis: Beide sind Verlierer. Vor Gericht zählt oft nicht die Wahrheitsfindung, es geht viel mehr um die Rechthaberei. Vergebung ist eine Gefahr für die eigene Sicht der Dinge.

Matthäus 6: „Wenn ihr vergebt, wird auch der Vater euch vergeben.“ Wer nicht vergibt (liebt), hat Gottes Vergebung (Liebe) nicht verstanden und kennt Gott nicht.

Markus 11: Gebet ja, aber vergesst nicht, „anderen zu vergeben, wie der Vater euch vergeben hat.“ Im Folgenden hat Simon das am Gleichnis von den zwei Schuldnern illustriert. Daraus stellt sich die Frage, wie es mir ergehen wird, wenn ich hartherzig bleibe und nicht den Menschen vergebe, denen Gott schon vergeben hat. Die Folterknechte im Gleichnis sind heute für uns der Kreislauf aus Anklagen und Zweifel; man bleibt gefühlsmäßig in einer negativen Spirale stecken.

Doch Vergebung ist kein Gefühl, sondern eine bewusste Entscheidung. Schau auf Jesus und lasse dir von ihm eine andere Haltung geben. Dann bekommst du eine andere Sicht der Dinge und kannst dann auch leichter den Schritt der Vergebung tun.

Nicht zu vergeben belastet die eigene Seele und macht sie krank, weil alte Wunden immer wieder aufgerissen werden. Vergebung nützt vor allem mir selbst.

Vergebung ist nicht Versöhnung. Aber nur nach der Vergebung ist eine Versöhnung möglich. Es kann sein, dass mich Mitmenschen in Konfliktsituationen auffordern, den Blick auf das Kreuz oder auf Jesus zu richten. Tu ich das, bekomme ich eine andere Perspektive. Ich trete dabei aus meiner Opferrolle heraus. 1. Johannes 2, 2: Jesus starb auch für deine Feinde. Gottes Plan der Vergebung und Tilgung der Schuld gilt auch ihnen. Im Vater-Unser beten wir „Vergib uns die Schuld, wie wir auch vergeben unseren Schuldnern.“

Wie gehe ich mit denen um, die an mir schuldig geworden sind?


Die zweite Predigt zur Vergebung am 03.11.2019 stellte Simon Tews unter die Frage „Wen soll ich um Vergebung bitten?

Schuld verjährt nicht. Spürst du nicht, dass der Heilige Geist dich an Dinge erinnert, die du in Ordnung bringen solltest? Wie das geschieht, hat Simon anhand eines Beispiels aus seinem Leben illustriert. Es kann sein, dass der Heilige Geist dich zu ungeklärten Angelegenheiten anrührt, die schon viele Jahre oder gar Jahrzehnte zurück liegen.

Jakob und Esau – eine Zwillingsgeschichte in vier Akten

Sie traten einander schon im Mutterleib. Rebekka bekommt von Gott gesagt, dass aus ihren beiden Söhnen zwei miteinander verfeindete Völker hervorgehen werden. Außerdem wird der jüngere Sohn einmal über seinen älteren Bruder (Esau war der erstgeborene Zwilling) herrschen.

Das Erstgeburtsrecht bedeutete das doppelte Erbteil, Verantwortung für die jüngeren Geschwister und die Herrschaft über sie. Menschen durften das Erstgeburtsrecht nicht übertragen. Nur Gott durfte das tun, was er auch tat, indem er Rebekka sagte, dass der jüngere Sohn über den älteren herrschen wird.

1. Akt: Esau kommt hungrig von der Jagd zurück. Ihn verlangt es nach dem Linsengericht, das Jakob gerade zubereitet hat. Jakob möchte dafür Esaus Erstgeburtsrecht haben. Esau geht auf diesen Handel ein.

2. Akt: Isaak liegt im Sterben und möchte Esau mit dem Erstgeburtsrecht segnen. Rebekka sorgt dafür, dass an dessen Stelle Jakob zu seinem inzwischen erblindeten Vater geht und den Segen bekommt. Isaak erkennt den Betrug nicht und segnet Jakob. Als der Schwindel auffliegt, kann Isaak den Segen nicht mehr zurücknehmen. Esau beschließt, seinen Bruder nach dem Tod seines Vaters umzubringen. Jakob flieht.

3. Akt: Schon auf der Flucht wendet sich Gott Jakob zu und verspricht ihm die Treue. Jakob kommt im Exil zu Reichtum. Gott lässt sich als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (nicht Esaus) bezeichnen und bestätigt damit, dass Jakob in seiner Segenslinie steht.

4. Akt: Gott fordert Jakob zur Rückkehr in seine Heimat auf. Jakob zieht mit seiner Familie, seinen Herden und seinen Hirten Richtung Heimat – mit der Unsicherheit, nicht zu wissen, wie Esau ihn aufnehmen wird. Er schickt Boten mit Geschenken voraus und erfährt dann, dass Esau ihm mit 400 Mann entgegenzieht. Jakob bekommt jetzt richtig Angst. Doch dann stellt er sich an die Spitze seines Zuges und geht Esau direkt entgegen. Esau nimmt ihn wider Erwarten mit Freude in die Arme. Esau möchte keine Geschenke haben, sondern aus eigenem Herzensantrieb Versöhnung.

Dass ein reuiges Familienmitglied zurückkehrt, um Vergebung zu erbitten, so freudig empfangen wird, berichtet die Bibel sonst nur im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Und so, wie es hier beschrieben wird, geht Gott mit uns um, wenn wir an den Ort unserer Schuld zurückkehren und bereit sind, zu unserem Teil der Verantwortung zu stehen. Gott überrascht uns mit mehr an Versöhnung, Frieden und Befreiung, als wir uns vorstellen können.

Was hindert uns, auf den anderen zuzugehen? Unsere Selbstgerechtigkeit, unser Egoismus, unsere Hartherzigkeit? Diese Haltungen sind der Ausgangspunkt für alle Querelen und „beleidigten Leberwürste“. Es sind zwei Dummköpfe, wenn keiner den ersten Schritt tun will.

Doch um Entschuldigung bitten, zeigt, das dem, der darum bittet, Beziehungen wichtiger sind als die Schuldfrage. Es geht also um die eigene Herzenseinstellung: Ist mir das Rechthaben wichtiger als eine gute Beziehung zu meinem Mitmenschen (Ehepartner, Kollege, Vorgesetzter, …)? Jesus ist unser Vorbild. Wie war seine Herzenshaltung, als er für unsere Schuld am Kreuz starb? Bin ich fähig, andere Menschen trotz ihrer Schuld zu lieben? Außerdem ist es alleine Gottes Aufgabe, die Schuld des anderen zu beurteilen. Meine Aufgabe ist es, diesen anderen Menschen zu lieben.

Wie gehst du damit um, wenn du unfair behandelt worden bist? Oder wenn du meinst, von Gott verlassen worden zu sein? Jesus starb unfairerweise am Kreuz. Sein Anliegen war: Was kann eine gestörte oder zerstörte Beziehung wieder heilmachen? Sein Tod diente vor allem der Heilung unserer zerstörten Beziehung zum Vater im Himmel.

Jesus fordert dich auf: Folge mir nach! Es ist deine Aufgabe, deinen Anteil an der Schuld in Ordnung zu bringen; das ist Jesus nachfolgen. Es ist deine Chance, wieder Frieden und Freiheit zu erleben.